Volltext: Kinder- und Haus-Märchen (Band 1)

Ui  jedem  Schritt  den  sie  that.  Da  erschrak  sie  und  ward  irre,
ob  sie  auch  wirklich  die  kluge  Else  wäre  und  sprach:  „bin  ichs,
oder  bin  ichs  nicht?"  Sie  wußte  aber  nicht,  was  sie  darauf  antworten ­
  sollte  und  stand  eine  Zeitlang  zweifelhaft,  endlich  dachte  sie:
„ich  will  nach  Haus  gehen  und  fragen,  ob  ichs  bin  oder  nicht,  die
Werdens  ja  wissen."  Da  lief  sie  vor  ihre  Hausthüre,  die  war  verschlossen, ­
  also  klopfte  sie  an  das  Fenster  und  rief:  „Hans,  ist  die
Else  drinnen?"  „Ja,  antwortete  der  Hans,  sie  ist  drinnen."  Da
war  sie  erschrocken  und  sprach:  „Ach  Gott!  dann  bin  ichs  nicht!"
und  ging  vor  eine  andere  Thür,  aber  als  die  Leute  das  Klingeln
der  Schellen  hörten,  wollten  sie  nicht  aufmachen  und  so  gings  ihr
überall,  da  lief  sie  fort  zum  Dorf  hinaus.

55.
Der  Schneider  im  Himmel.
Es  trug  sich  zu,  daß  ein  Schneider  starb,  der  lahm  war  und  deshalb ­
  vor  den  Himmel  nicht  gegangen,  sondern  gehinkt  kam.  Er
klopfte  an  die  Pforte,  der  heil.  Petrus  aber,  der  dabei  die  Wache
j  hat,  wollte  sie  nicht  gleich  aufthun,  sondern  fragte:  „wer  klopft?"
„Ein  armer,  ehrlicher  Schneider  bittet  um  Einlaß."  „Ja,  ehrlich, ­
  wie  der  Dieb  am  Galgen,  sprach  der  heil.  Petrus,  du  hast
>  lange  Fingers  gemacht  und  den  Leuten  das  Tuch  abgezwickt.  Geh
in  die  Hölle,  wo  du  das  Gestohlne  doch  hingeworfen  hast,  in  den
Himmel  kommst  du  nicht."  „Ach  du  barmherziger  Gott!  rief  das
Cchneiderlein,  ich  hinke  und  habe  von  dem  Weg  daher  Blasen  an
Kindermärchen  r.  M
	        
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