Volltext: Kinder- und Haus-Märchen (Band 1)

212

42.
Der  Herr  Gevatter.
Ein  armer  Mann  hatte  so  viel  Kinder,  daß  er  schon  alle
Welt  zu  Gevatter  gebeten  hatte,  und  als  er  noch  eins  bekam,  !
wußte  er  nicht,  wen  er  noch  zu  Gevatter  bitten  könnte,  da  wurde
er  sehr  betrübt  und  legte  sich  hin  und  schlief  ein.  Da  träumte
ihm,  er  solle  vor  das  Thor  gehen,  und  den  ersten,  der  ihm  begegne, ­
  den  solle  er  zu  Gevatter  bitten.  Das  that  der  Mann,
und  es  begegnete  ihm  einer,  den  bat  er  zum  Gevatter,  und  der  i
schenkte  ihm  ein  Gläschen  mit  Wasser  und  sprach:  ,,damit  kannst
Lu  alle  Kranke  gesund  machen,  wenn  du  den  Tod  beim  Kopf  stehen ­
  siehst,  steht  er  aber  bei  den  Füßen,  so  muß  der  Kranke  sterben." ­
  Nun  wurde  des  Königs  Kind  krank,  und  der  Tod  stand
beim  Kopf,  da  heilte  er  es  mit  dem  Wasser,  und  das  zweitemal
als  es  krank  wurde,  da  machte  ers  wieder  gesund,  weil  der  Tod
wieder  beim  Kopf  stand,  das  drittemal  aber  stand  er  bei  den  Füßen, ­
  da  mußte  es  sterben.
Da  ging  der  Mann  zu  seinem  Gevatter  und  wollte  ihm  das
alles  erzählen,  aber  als  er  in  das  Haus  kam,  war  eine  so  wunderliche
  Wirthschaft  darin,  denn  auf  der  ersten  Treppe  standen
Schippe  und  Besen  und  schmissen  sich.  Da  fragte  er  sie,  wo  der
Gevatter  wohne;  der  Besen  sagte:  „eine  Treppe  höher."  Wie
er  auf  die  zweite  Treppe  kam,  sah  er  eine  Menge  todter  Finger
liegen.  Da  fragte  er  wieder,  wo  der  Gevatter  wohne?  „eine
Treppe  hoher,"  antwortete  etwas.  Auf  der  dritten  Treppe  lag  >
	        
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