Volltext: Kinder- und Haus-Märchen (Band 1)

ihren  Thieren  geben  und  zogen  dann  werter.  Die  Füchse  aber
wußten  guten  Bescheid  Ln  der  Gegend,  wo  die  Hühnerhöfe  waren,
und  konnten  die  Jäger  überall  zurecht  weisen.
Nun  zogen  sie  eine  Weile  herum,  konnten  aber  keinen  Dienst
finden,  wo  sie  zusammen  geblieben  wären,  da  sprachen  sie:  „es
geht  nicht  anders,  wir  müssen  uns  trennen."  Und  nachdem  sie
die  Thiere  getheilt  hatten,  so  daß  jeder  einen  Löwen,  einen  Baren, ­
  einen  Wolf,  einen  Fuchs  und  einen  Has  bekam,  nahmen  sie
Abschied,  versprachen  sich  brüderliche  Liebe  bis  in  den  Tod  und
stießen  das  Messer,  das  ihnen  ihr  Pflegevater  mitgegeben,  in  ei-«en
  Baum;  worauf  der  eine  nach  Osten,  der  andere  nach
Westen  zog.
Der  jüngste  aber  kam  mit  seinen  Thieren  in  eine  Stadt,  die
war  ganz  mit  schwarzem  Flor  überzogen-  Er  ging  in  ein  Wirthshaus ­
  und  fragte  den  Wirth,  ob  er  nicht  seine  Thiere  Herbergen
könnte.  Der  Wirth  gab  ihnen  einen  Stall,  wo  in  der  Wand  ein
Loch  war,  da  kroch  der  Hase  hinaus  und  holte  sich  ein  Kohlhaupt
und  der  Fuchs  holte  sich  em  Huhn  und  als  er  das  gefressen  hatte,
auch  den  Hahn  dazu,  der  Wolf  aber,  der  Bär  und  der  Löwe
konnten  nicht  hinaus.  Da  ließ  sie  der  Wirth  hinbringen,  wo  eben
eine  Kuh  auf  dem  Rasen  lag,  daß  sie  sich  satt  fraßen.  Und  als
der  Jäger  für  seine  Thiere  gesorgt  hatte,  fragte  er  erst  den  Wirth,
warum  die  Stadt  so  mit  Trauerflor  ausgehängt  wäre?  Sprach
der  Wirth:  „weil  morgen  unseres  Königs  einzige  Tochter  sterben
wird."  Fragte  der  Jäger:  „ist  sie  sterbenskrank?"  „Nein,
antwortete  der  Wirth,  sie  ist  ganz  gesund,  aber  sie  muß  doch

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