Volltext: Kinder- und Haus-Märchen (Bd. 2)

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Kinderalauben.

i.  Nenn  ein  Brüderchen  oder  Schwesterchen  geboren  wird,
und  die  Kinder  fragen,  wober  es  gekommen  sey?  so  sagt  man
ihnen:  aus  dem  Brunnen,  da  hole  oder  schöpfe  man  sie  heraus.
Fischart  im  Gargantua  führt  das  schon  an.  Gewöhnlich  ist  aber
an  dem  Ort  ein  gewisser  Brunnen,  auf  den  man  verweist,  und
wenn  sie  hineingucken,  sehen  sie  ihre  eigenen  Köpfe  unten  im  Wasser ­
  und  glauben  desto  mehr  daran.  Kindibrunnon  kommt  schon
in  alten  Diplomen  (Pistoriu*  IU.  544.  >  als  ein  Ortsname  vor.
Kanne  (im  Ehronus  S.  IZZ.  Anm.)  bezieht  diesen  Glauben  auf
die  durch  die  Mythe  der  ganzen  alten  Welt  gehende  Idee  von
Tod  und  Wiedergeburt  imWasser.  Er  bemerkt  noch,
bei  Detmold  ein  solcher  Geburtsbrunnen  Lünsborn  heiße.
Oder  man  sagt:  ein  Engel  bringe  sie,  und  der  habe  zugleich
das  Zuckerwerk  mitgebracht,  das  ihnen  bei  der  Kindtaufe  oder  vorher ­
  gegeben  wird;  gewöhnlich  sind  es  bunte  Zuckererbsen.  Oder:
der  Storch  fische  die  Kinder  im  Wasser  und  bringe  sie  in
seinem  rothen  Schnabel  getragen,  darum  wird  er  angesungen:
Klapperstorch,  Langbein,
bring  meiner  Mutter  ein  Kind  heim,
leg  es  in  Garten,
	        
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