Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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GETEN 
Kl 
sie halten krieger und gefangne von allen solchen Völkern in Rom 
vor äugen. 
Hinten an die östlichsten Germanen, wie sie zur Römerzeit des 
ersten jahrhunderts nach Chr. bestanden, da wo die Donau als Ister 
den letzten theil ihres laufs zurücklegt, in dem heutigen Siebenbürgen, 
der Moldau und Walachei, stieszen Daken und Geten. beide dürfen 
für nahverwandte stamme fast eines einzigen volks gelten, das vor 
zugsweise Griechen das getische hiesz, Römern das dakische. Tacitus 
mag sich die Daken etwa als nachbarn der Quaden denken, Strabo 
stellt Geten dicht an Sueven. gleich zu eingang seines werks drückt 
sich jener so aus: Germania omnis a Sarmatis Dacisque mutuo metu 
aut montibus separatur; auch hist. 4, 54 verknüpft er Sarmatis Da 
cisque, und Agric. 41 stehn Moesia Daciaque et Germania et Pannonia 
nebeneinander, der ältere Strabo aber sagt 290 von Sueven und Sem- 
nonen redend: nlfv rd yt riov 2orjßcov tS-vi], rd /uiv iwog ojxu, 
ru di ixrog rov dqv/uov, o/lioqu roig Vertag’ /uiyiorov /.liv rb rtov 
—orjßaiv t'S-vog, und nochmals 294: rb di vbnov /ui qog rrjg Ttq- 
/laviug, rb niquv rov 'Alßiog, rb f.iiv ovveyig ux/ur/v vno rwv 
^or/ßtov xariyerai. dV iv&vg fj rwv Vtrtbv awunrei yfj, xud 
uqyug /uiv anvrj, Tiaqanra/uiv?] rtö 3 IcfTQtp xard rb voriov /uiqog. 
xaru di rovvavriov, rfj nuqoqiu rov ‘EqxvvIov dqvfxov, /uiqog n 
xul avrij rwv oqwv xariyovou, dru nXarvverat nqog rag dqxrovg 
/liyqi Tvqiyerwv • rovg di uxqißaTg oqovg ovx iyo/.itv tpqaQi.iv. 
178 genaue nordgrenze kannte er nicht, zwischen Geten und Daken gibt 
er s. 304 folgende scheide: Tirug /.tiv rovg nqog rov Ilovrov xe- 
xh/iivovg xul 7iqog rrjv tto. Adxovg di rovg dg ravavria nqog 
Viq/.iaviav xul rüg rov'Iarqov nr/ydg und s. 313 heiszt es: ruvru 
d 3 iorl rd Gvvtyij rfj 7ruXiu re xul ruig ^AXmoi, xul J'tq/uuvoig, 
xul Auxoig, xul riraig. 
Beide Schriftsteller halten also diese Völker zwar für nachbarn 
der Germanen, nicht selbst für Germanen, noch entscheidender scheint, 
dasz ihnen Strabo ausdrücklich thrakischen Ursprung, thrakische spräche 
beimiszt. nicht allein sagt er s. 305 6/uoyXwrroi* <5 3 dolv ol Adxoi 
roig Tirutg, woran niemand zweifeln wird, sondern ein hlatt vorher s. 304 
hiesz es: tri ydq itp rj/utov yovv Al'Xiog Kdrog piertoxiaav ix rijg 
mquiug rov Iarqov nivn /uvqiddag aco/udriov naqd rwv Verwv, 
o/uoyXwrrov roig GquQlv l'&vovg, dg rfv Qqdxyv xul vvv olxovoiv 
avrofri, TVLoiaol xuXov/utvoi. in dieser stelle, wenn man ihre absicht 
erwägt, liegt ihm daran zu widerlegen, dasz in Thrakien keine Myser 
seien: Aelius Calus (unter August) habe über die Donau 50000 Geten 
nach Thrakien geführt, die nun daseihst wohnen und Myser heiszen; 
über die Donau waren sie nach Moesien gewandert, wo die späteren 
Moesogothen hausten, da dies lauter altgetische landstriche sind, so 
versteht sich von selbst, dasz kein sprachunterschied statlfand und diese 
übergeführten einwohner in Moesien ihre angeborne spräche behielten, 
* ahd. samarartö, folglich goth. samarazdai.
	        

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