Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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ZEITALTER 
ihrer hand empfängt der mensch köstliches geschmeide und leuchtende 
waffe. Auf beide, riesen und zwerge, fällt aber ein doppeltes licht, 
günstig oder ungünstig, bald wird den riesen uralte treue und Weis 
heit beigelegt, sie sind milchesser, säen und ernten nicht, sondern wei 
den ihre lierden, kämmen der rosse mähne, legen ihren hunden gold 
bänder an; die zwerge bilden das stille friedliche volk, das von ein 
facher speise lebt und mit den menschen gute nacbbarschaft hält, bald 
stehn jene unbeholfen, steinkalt und grausam da, diese tückisch und 
feindselig, und des menschen ausharrende kraft trägt am ende den sieg 
davon über des riesen leiblichen Vorzug, den sie mit dem geist, über 
des zwergs geistigen, den sie mit dem leib bezwingt, jedesmal wider- 
•fährt aber den riesen und zwergen gemeinschaftlich, dasz sie zuletzt 
dem andrang der menschen weichen und das land räumen müssen*. 
So verschieden sie gewendet sind, greifen diese Vorstellungen von 
den vier altern und drei geschlechtern ineinander, und der mensch des 
3 eisenalters gleicht dem besieger der riesen und zwerge. beide sagen 
erreichen zuletzt den boden der Wirklichkeit, allein rückwärts sind sie 
undeutbar auf die geschickte: sie können nur dumpfen anklang geben. 
Der menschliche geist bat andere wege eingeschlagen nach den 
geheimnissen der vorweit und ist beinahe wieder auf dieselbe spur 
gerathen. 
Wie das messer in leichname schneidet, um den menschlichen 
leib innerst zu ergründen, ist in verwitterte erdlnigel eingedrungen und 
die lange ruhe der gräber gestört worden, von schnee eingeschneit, 
von regen geschlagen, von thau durchtrieben muste die todte völva dem 
mächtigen gott rede stehn; was in staub und asche übrig geblieben 
war, fragt unermüdliche neugier nach dem zustand der zeit, aus wel 
cher es abzustammen scheint, beschaflenheit der gräber, gestalt der 
morschen schädel, art und weise des eingelegten geräths sollen ant- 
wort geben, alle diese zeugen sind beinahe stumm, nur inschrift und 
deutliche münze haben noch kraft des Wortes, Samenkörnern, die unsere 
geschichte befruchten, gleicht das in unendlicher menge durch alle 
europäischen fehler und hügel zerstreute römische geld. 
Nach den allenthalben unternommnen ausgrabungcn hat man drei 
verschiedne Zeitalter ermittelt, die jenen mythischen zu begegnen schei 
nen. zuerst angesetzt wird ein steinalter, aus welchem mächtige fei— 
sengräber mit unverbrannten leichen und steinernen waffen übrig sind; 
das volk welches sie baute und brauchte, soll nur jagd und fischerei 
getrieben, aller metalle entbehrt haben, hierauf sei die eherne zeit oder 
das brennalter gefolgt**, dem gold und erz zu Waffen und schmuck 
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* daher fallen benennungen der riesen and unterirdischen zusammen mit 
namen besiegter, zurückgedrängter volkstämme (mythol. s. 493, 1035.). die pixies, 
das stille volk in Devonshire, sind die Picten, Peohtas. 
** ipsurrt cremare apud Romanos non fuit veteris- instituti; terra condebantur. 
at postquam longinquis bellis obrutos erui cognovere, tune institutum. et tarnen 
multae familiae priscos servavere ritus Plinius 7, 54. sicher ward auch bei den 
Griechen begraben, eh das schönere verbrennen allgemein eingang fand.
	        

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