Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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URVERWANDTSCHAFT PRONOMEN 
183 
Die Schwierigkeit von raama und tava wage ich auf folgende weise 
zu lösen, es ist bekannt, dasz die persönlichen pronomina reduplication 
lieben und für lat. me se nachdrücklicher meine sese (warum nicht für 
te tete?) gesetzt wird*, sollte mama entstehn aus wiederholtem ma 
(für mah, mama = mahmah), so liesze sich auch tava begreifen aus 
tvatva, svava aus svasva: der häufige gebrauch dieser Wörter hätte 
mahmah in mama, tvatva in tvava tava, svasva in svava sava verdünnt, 
die geschichte der verbalreduplication pflegt noch erheblichere kürzungen 
aufzuzeigen. Zur bestäligung kann ich einiges besondere anführen, 
der lat. gen. sui gemalmt an den gen. suis von sus; wie aber suis 
dem goth. sveinis entspricht, würde sui dem goth. sveina entsprechen, 
seina demnach aus sveina entsprungen sein, die lat. partikel si lautet 
auf oskisch svai, was dem goth. sva oder svö nahe kommt; es pflegt 
aber wiederum svasvö, ahd. sösö, ags. svasva gedoppelt zu werden: 
weil nun diese parlikeln mit dem stamm des reflexivs unleugbar ver-263 
wandt sind **, wäre die reduplication svasvö der des genitivs svasva 
völlig analog, svasva verdünnte sich in svava sava suveis sui, aber 
goth. seina = sveina nahm wie fteina aus dem stamm der ersten 
person meina die unorganische endung an, ungefähr wie im prakrit 
der gen. tuma für skr. tava dem mama der ersten person folgt. 
Noch ein gröszeres räthsel als mama tava sava: meina |ieina seina 
ist der dativ mahjam tubhjam subhjam: mis {)us sis; dieser ausgang -s 
hat in der dativflexion j gar nicht seines gleichen. Bopp §. 174 erblickt j 
darin ein pronominalsuffix, welches er aus dem skr. -sma leitet; gäbe 
die reduplication der dritten person keine einfachere auskunft? ent 
weder wäre subhjam aus svasvabhjam entsprungen und davon im goth. 
daliv nur sis für sus übrig, oder das genitivische svasva hätte den 
goth. daliv eingenommen? in beiden fällen drang das nur der dritten 
person gebührende -s vor in die erste und zweite, wie umgedreht das 
-n in meina, das -k in mik aus der ersten in die zweite und dritte? 
mir scheinen M in mama, V in tava, S in sis anspruch auf gleiche 
deutung zu haben, dasz sich verschiedne casusformen mengen lehrt 
eben das dem dat. und acc. gehörige hochd. sich, schwed. sig. 
Auch die gr. genitive und dalive veranlassen noch bedenken, 
statt des gewöhnlichen /uov oov ov entfaltet sich t/iit&ev ot&ev t&ev, 
das dem correlativen ausgang no&tv jo&tv od-tv tato&tv avwd'tv xzrÄ. 
gleicht und den begrif von mir, von dir, von sich zu enthalten scheint, 
indessen hat auch das prakrit neben den einfachen gen. mama tuma 
die weitere form madidiha tudidiha, die sich vielleicht an jene griechi 
schen schlieszen. 
Der dorische dativ zeigt nach Ahrens p. 251. 252 if.uv n'v tV, 
bei den Tarentinern Ttvrj, und für t/u/p auszerdem i^iivya; es 
ist nichts anders anzunehmen, als dasz diese dem litth. man, sl. mnje 264 
* vgl. lat. ipsipsus, ahd. selpselpo, mhd. selbeselbe. 
** auch iva scheint verwandt mit 8 und lat. se, si, in der form aber den dori 
schen dativen 8/iivrj iivr\ iv. Ahrens p. 251. 252.
	        

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