Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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18 HIRTEN 
forda vgl. hordicidia fordicidia. Die Slaven verfahren aber so, dasz 
sie aus der praep. s und dem namen des jungen thiers ein eignes 
wort für die tragende mutter bilden, russ. lieiszt die trächtige kuh 
stute sau hündin stel’naja bereshaja suprosaja tschennaja, d. i. die mit 
dem kalb telja, füllen sherebja, ferkel porosja gehende korova, kobliija, 
svinja. ebenso böhm. stelnä, shrebnä, sprasnä, skotnä von tele liijbe 
prase kote. Der Litthauer fügt dem namen des jungen die endung 
-inga hinzu und bezeichnet damit das trächtige Weibchen: werszinga 
karwe, parszinga kiaule, eringa awis, kummelinga von werszis kalb, 
parszas ferkel, eris lamm, kummelis füllen. Auf ähnliche weise wird 
mit dem namen des jungen thiers auch das werfen desselben bezeich 
net, wir sagen: die stute fohlt, die kuh kalbt, das schaf lammt, die 
geisz zickelt, die sau frischt (von lrisching frischling), die hündin weift 
(mhd. erwirfet daz weif); nicht anders lieiszt es franz. la chkvre che- 
vrote, la brebis agnele, la truie porcöle, la louve louvete; bei Marie 
de France 2, 86 lisse qui vuleit chaeler (von chaiax weif), bei Meon 
2, 347 truies qui essouent (von soue ferkel). das ags. eanian, engl, 
yean lammen setzt einen namen des lamms voraus, der von eov ovis 
abweicht. Auch in den slav. sprachen geschieht dasselbe, z. b. böhm. 
gilt von der kuh oteliti se, von der stute ohfebiti se, von der sau 
oprasiti se, von der katze okotiti se. unsrer heutigen spräche klin 
gen solche verba gemein, wir sagen lieber: junge werfen, die Fran 
zosen: mettre bas. 
26 Für das schlachten der tliiere, weil es nicht auf gleiche weise 
bewerkstelligt wurde, galten wiederum verschiedne Wörter. Luc. 15, 
23 verdeutscht Ulfilas rou /noo/ov &vGare stiur ufsneijiili, und 15, 27 
nochmals td-vatv ufsnaiji, die vulg. hat für d"6tiv occidere, ufsneijian 
ist mehr suecidere; Joh. 10, 10 wiederum ufsneijiai für &vcnj, vulg. 
mactet, vom dieb der die schafe schlachtet, ich finde noch im 16 jh. 
c ein lamb mustu auch schneiden ab’, wie es nhd. lieiszt ein liuhn 
abschneiden, gemeint wird das durchschneiden der kehle, gleichviel 
nhd. abthun, mhd. abnemen, Berthold 47. weisth. 1, 313. Sclimid, 
schwäb. id. 405. nhd. das schwein stechen, abstechen, ahd. arslahän 
mactare, mhd. ein swin slahen Ls. 1, 285; vihe slalien, nhd. einen 
ochsen schlagen, mhd. ein chalp bestroufen, zwei cliitzi bestroufen, 
Diut. 3, 65. 7 3, eigentlich die haut abziehen, abstreifen? ahd. wurgan 
mactare Diut. 1, 260 b würgen, strangulare. ältn. skera mactare: Thorr 
skar liafra Sn. 49, schor, schnitt den bocken das haupt ab. mhd. 
den wolf klüb^n? fragm. 14 b ; lüben knüllen MS. 2, 192 a ; hüner 
pflücken (rupfen) Fichards arch. 3, 318; zerbrechen als ein huon, 
Eracl. 5482; den visch veilen Greg. 3054; nhd. ist fällen erlegen pro- 
sternere. Den Böhmen lieiszt poräzeti wola den ochsen schlachten, 
zaklati prase das schwein stechen, zabiti obet das opfer schlachten, 
zabili gelena den hirscli fällen. Am reichsten scheint hier die litth. 
£>otiaA_\5)T sprachejT vom stier gilt pamuszti, vom schwein skersti, vom schaf pa- 
pjauti, von der gans pjauti, vom widder smaugli, und diese Wörter 
haben entweder den sinn des stoszens, steebens oder erdrosselns.
	        

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