Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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HESSEN 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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sein, so dasz es unnöthig wird, für die helden und krieger die im 
hintergrund liegende Vorstellung des hauptschmucks festzuhalten. 
Ich weisz kein andres deutsches volk, bei dem sich so viele er- 
innerungen an das heidenthum eng nebeneinander bewahrt hätten wie 
bei den Hessen, und zwar gerade in dem landstrich, der auch als 
hauptsitz der Chatten angesehn werden musz. unfern von jener Don 
nerseiche. bei Geismar lag zugleich ein Wuotansberg im Edergrund 
wie im Fuldathal bei Rotenburg ein andrer Wuotansberg und Grosz 
vaterberg (Ellerheitenberg), dem als groszvater gedachten Donnergott 
geweiht; es scheint, dasz man die heiligen Örter der beiden höchsten 
götter gern nebeneinander hegte, wie auch im Norden ihre bildseulen 
oft zusammen standen. Frideslar, zwischen Geismar und Gudensberg, 
musz, wie der name anzeigt, eine gefriedete, heilige stätte gewesen 
sein; was Geismar bedeutete, entgeht uns, weil aber mehrere Örter 
dieses namens auf hessischem, engrischem und thüringischem boden 
Vorkommen (die hessischen in urkunden des eilften, zwölften jh. ches- 
mari, gesmere, geismere, bei Pertz 2, 825 steht gaesmere), darf man 
einen mythischen und chattischen bezug kaum bezweifeln: die Wurzel 
gisan geis spirare, bullire, wovon geist, spiritus, halitus und goth. 
gaisjan metu percellere, usgeisnan stupere leitet auf heidnischen brauch 
an heiliger quelle; bei Geismar liegt ein Sauerbrunnen, bei Hofgeismar 
ein gesundbrunnen. 
Dicht vor Gudensberg liegt ein dorf Maden (urkundlich Mathana, 
Madana) und nordwärts am llüszchen Rhein, das auch den namen 
Matze, Matzof d. i. Mazzaha empfängt, ein andres Metze genanntes 
dorf; man hat die wähl, in welchem von beiden man das alte, von 
579 Germanicus verheerte Mattium (nach Tac. ann. 1, 56 ausdrücklich c id 
genli caput’) annehinen will, in die lautverschiebung, wenn TT la 
teinisch sein soll, fügt sich Mattium, fränk. Mathana, ahd. Madana; 
war aber das TT, wie in Chatti fränkisch, so ergebe sich ahd. Mazzaha. 
das alle volksgericht soll eben zu Maden gesessen haben, nach wel 
chem ganz Niederhessen die grafschaft Maden hiesz. in dieser gegend 
zwischen Eder und Fulda behaupteten sich im 11. 12 jh. hessische 
grafengeschiechter von Maden, Gudensberg und Felsberg, auf welche 
sich der geschwächte chattische glanz gleichsam zurückgezogen hatte, 
um neue kraft zu sammeln, noch lange zeit gieng der sprucli 
Dissen Deute Haidorf Ritte Rune Resse, 
das sind der Hessen dörfer alle sesse, 
wie sie bis heute links der Eder zwischen Gudensberg und Cassel 
fortbestehn; es wird damit der enge umfang des zuletzt aufrecht ge- 
bliebnen, aber echten Hessens angezeigt. Dissen und Deute, Bune 
und Besse alliterieren. Ritte ist Altenrilte, Bune Altenbaune; Besse 
heiszt in urkunden Passaha *. Man könnte wähnen auch im namen 
* 'in Passahe et Fanahe’ trad. fuld. ed. Dronke 6, 112 p. 39; in villis 
duabus Ritehessis et Fanahessis’ ibid. 6, 61 p 37 mit merkwürdiger anfügung 
ies volksnamens an den Ortsnamen, wie insgemein aus dem dat. pl. der volks- 
namen die örtlichen hervorgegangen sind, und wie 'Hessen eigentlich bedeutet
	        

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