Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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TUBANTEN 
also möglich den gradmessungen des Ptolemaeus glauben zu schenken, 
der die Tubanten weit nach Süden vorschiebt? sie sollen im zweiten 
jh. sogar hinter den Chatten, ungefähr im fuldischen, oslfränkischen 
593 lande gewohnt und sich später unter die Alamannen verloren haben, 
da sie doch das vierte jh. gleich andern nordwestlichen Germanen in 
den römischen legionen verzeichnet? 
Hierzu tritt, dasz auch im verfolg der zeit, hart an der friesi 
schen grenze, zwei gaunamen Vorkommen, Twente und Drente, die in 
unverkennbarer beziehung aufeinander stehend zugleich den ausdruck 
Tubantes enthalten und erläutern helfen. Twente heiszt in einer urk. 
des achten jh. Tuvanti, d. i. Tubanti, in einer andern bei Lacomblet 
n° 9 vom j. 797 Northtuianti; Tubantes aber kann nichts anders aus- 
sagen als Tvibantes, die an zwei banten wohnen. Drente, oder wie 
man heute unrichtig schreibt Drenthe, lautet in der alten spräche (weil 
die mnl. nnl. D für alts. TH gibt) Thrianti, Threant, welches ein vol 
leres Thrivanti Thribanti voraussetzt*, zu des Tacitus zeit waren also 
Tribantes die an drei banten niedergesessenen, bant musz etwas ähn 
liches wie gau oder pagus bedeuten, da noch andere landschaftliche 
namen damit zusammengesetzt erscheinen, die meisten in derselben nord 
westlichen gegend. an der Ems erstreckte sich der gau Bursibant, 
von bursa, ahd. porsa, nhd. porst ledum palustre; an der Schelde lag 
der Oslrobant und Westrobant, weiter nördlich der gröszere Bracbant, 
wahrscheinlich von bräka, ahd. prächa aratio (s. 61), mhd. Brdchbant 
nhd. Brabant; zwischen Maas, Waal und Rhein unmittelbar auf allba- 
tavischem gebiet aber die grafschaft Teisterbant, Testerbant, welche 
schon in der fränkischen theilung von 870 (Pertz 3, 517) als comi- 
tatus Testrabant neben Batua und Ilattuarias steht, hierher müssen 
schon frühe Friesen vorgerückt sein, da sich in den ann. fühl, zum 
j. 885 (Pertz 1, 402) gesagt findet: c Frisiones qui vocantur Destar- 
benzon\ in dieser Schreibung ist das Z alul., nicht aber das D, wel 
ches sächsischem TH entspräche, Testerbant wäre ahd. Zestarpanz aus 
zudrücken. ich kann töstar für nichts anders halten, als eine merk- 
594würdige, dem lat. dexter gleichgebildete form, während gotli. taihsvi), 
ahd. zesawä wie gr. dt£iu ohne T sind, d. h. dexter und töstar schei 
nen comparative. vielleicht waltet hier noch Zusammenhang mit dem 
namen Toxandrien, Texandrien (s. 528.) aber meine deutung des tüstar 
bestärkt der wald Suiflarbant an der Issel (Lacomblet n° 2. 4. 8 a. 
793. 794. 796), wo suiftar comparaliv von svift velox, fortis ganz 
dasselbe auszusagen scheint. Mainz gegenüber nennt Ammian 29, 4 
als alamannisches volk die auch in der not. dign. Orient, p. 22 auf 
tretenden Bucinobantes, die nicht aus lat. bucina buccina, vielmehr dem 
deutschen bökin, ahd. puoelun fagineus zu deuten sind (vgl. Triboci 
und silva Bacenis Bochonia) und füglich chattischen Ursprungs sein 
könnten. Es läge nah, statt der s. 535 angeführten Wsinobates 
* wie hier B wurde in Trient für Tridentum D ausgestoszen. zu vergleichen 
sind übrigens auch die Throvendas im cod. exon. 322, 17.
	        

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