Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

HERMUNDUREN 
hier wird westliches Thüringen neben Brabant, Friesland und Holland, 
östliches neben Sachsen, Pleiszen und Sorbenland aufgeführt. Wenn 
im mnl. Karel 1, 1403 gesagt wird: 
in Doringen voer Garin, 
Karel blCf, des stt wis, in die stat te Paris, 
602 so kann dies Thüringen wieder nur das jenseitige meinen, Inicht das 
östliche. Aus dem D in Doringen entnehme ich keine bestätigung des 
in Hermunduri, da die niederländische mundart überall D anstatt des 
älteren TH braucht; merkwürdig aber ist, dasz im testament des Wille- 
brordus, dessen güter in Toxandrien lagen, auch ein pagus Turingas- 
nes (Turingansis, Turinginsis?) vorkonnnt und wahrscheinlich an den 
mündungen der Maas und Waal zu suchen wäre (Waitz s. 51.) 
Sind nun Thürijige auf belgischem gebiet unabweisbar, so wer 
den doch die meinungen getheilt bleiben, zu welcher zeit sie dahin 
eingewandert sein können. Gregor setzt sie bei der Franken ankunft 
dort voraus, wie unbestimmt aber erscheint diese sage selbst! Brechen, 
nach der herschenden ansicht, die Franken erst im vierten jh. in Gal 
lien ein, so hindert nichts diese Thüringe für einen besondern fränki 
schen oder unfränkischen volkstamm anzusehn, der zu gleicher zeit 
mit den Sigambern und Saliern, wenn auch aus einer andern ecke her 
vordrang. Waitz läszt die Salier von der hatavischen insei aus, die 
Thüringe vom meere her nach Toxandrien gelangen, und nimmt an, 
dasz sie von da sich weiter gegen Süden erstreckt haben können, das 
früher fränkische Dispargum ihnen hernach zugefallen sei. Herrn. Mül 
ler vermutet, unter Thuringia sei ein stück vom gebiet der keltischen 
Bataven zu verstehn, das von germanischen Duren, wahrscheinlich chat 
tischen Ursprungs, eingenommen auch deren nainen empfangen habe. 
Des durischen oder thüringischen namens Ursache in diesem landstrich 
einer älteren zeit als der des dritten oder vierten jh. beizumessen 
scheint mir ein glücklicher gedanke, obwol ich weder die Bataven für 
Kellen halte, noch die eingerückten Hermunduren für Chatten. Nach 
der vorhin aufgestellten ansicht mag vielmehr bei Chatten und Her 
munduren der alte zug nach westen oder ein besondrer anlasz, dessen 
grund wir nicht mehr durchschauen, obgewaltet haben, um theile ihrer 
bevölkerung über den Bhcin vorzuschieben. Seien Bataven, Cannine- 
faten, Chaltuarier und Testerbanten zurückführbar auf einen einzigen 
allgemeinen namen oder nicht, ihr alter bezug zu den Chatten scheint 
603 unzweideutig; warum sollte nicht eben so früh in ihrer naclibarscliaft 
der name von Duren oder Thüringen auftauchen und aus der Hermun 
duren heimat abgeleitet werden dürfen? Caesar nennt uns der Bataven 
insei, ohne das geringste weiter von ihnen zu melden; auch in des 
Tacitus Germania sind aus dieser gegend die einzigen Bataven ange 
führt, Canninefaten und Chattuaricr übergangen, weil er sie für zu 
hatte sich das fränkische reich allmälich bis zum Rhein erweitert und war in 
unmittelbare berührung mit Alamannen und östlichen Thüringen getreten, deren 
besiegung aber erst unter Theodcrich erfolgte.
	        

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