Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 G 
CHAUKEN 
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Deutungen dieses alten volksnaraens sind schon viele versucht, 
der übelsten eine war von Möser 6, 78, welche aus dem ags. cvacian 
tremere den begrif eines bebelandes leiten und damit den namen der 
stadt Quakenbrücke verbinden wollte: die bebenden, zitternden! wel 
ches volk hätte solche benennung ertragen, das römische CH in Chauci 
(denn so, nicht Cauchi ist zu schreiben und Strabons Kavxoi wie des 
Ptolem. Kav/oi zu verwerfen) fordert, wie in Chatli, ags. und ahd. 
II. Schriebe man nun Chauchi, so läge buchstäblich darin das goth. 
hauhai, ahd. hohö, ags. heähe, fries. häge excelsi, sublimes, und da- ' J 
bei könnte selbst Chauci bestehn, weil der inlautende consonant leicht 
verändert wird, zu den freien Franken und Friesen, den berühmten 
Brukterern (s. 532) stimmten ihre nachbarn, die erhabnen Chauken. 
Über der wurzel von hauhs schwebt noch dunkel, liesze es sich wie 
tiuhan taub auf ein verlornes hiuhan hauh zurückbringen, von welchem 
auch hiuhma o/Xog (wie liuhma von liuhan lauh) stammte; so läge der 
Übergang in hugs vovg, hugjan cogitare nah und von hauhai wären 
die hugai fortschreitender ablaut. auf diese weise wage ich ags. Heä- 
has und Ilugas nebeneinander zu stellen, Hugas wären sapientes. das 
ags. ö in Hoc und Höcingas könnte falsche auffassung eines ahd. oder 
alts. ö = goth. au sein, denn ö = goth. 6 , ahd. uo führte auf ags. 
hoc, ahd. huoh uncus, womit hier nichts anzufangen ist. jenes hiu-676 
han könnte aber crescere bedeuten und daraus der begrif von hiuhma 
menge aufsteigen, wie aus liudan crescere der von laujos ahd. liut po- 
pulus, oder aus faeihan crescere der von [)iuda; hauhs wäre cretus 
oder altus von alere, almus, sublimis. die bedeutung von hugs und 
hugjan würde sich gleich der von kunnan sapere neben kuni genus 
einfinden. 
Haupts einfall, den namen Chauci auf jene tumuli bei Plinius zu 
ziehen und aus ahd. houc, altn. haugr tumulus, collis zu erklären 
(zeilschr. 3, 189), scheint mir sinnreicher als haltbar, einem Römer VöUfelL ?. • z. 
möchte tumulati in sinn gekommen sein, das volk hätte seine Vorfall- Üeötaf cuxtk 
ren so benannt (altn. heygdar), nicht sich selbst, liaugs (oder hauhs?) von Ivane 
der aufgehöhte hügel wird aber zu jenem hauhs gehören*. tollt», 
Genug dieser elymologien; ich kann nicht umhin hervorzuheben, 
dasz gerade drei sich nahgelegne Völker, die Bructeri, Frisii und Chauci, 
jedes in majores und minores unterschieden werden, solch ein unter 
schied erscheint sonst in der gesamten Germania nicht, obschon viel 
gröszere Völkerschaften, z. b. Sueven oder Gothen, sollte man mei- 
id est Francus, quia olim omnes Franci Hugones vocabantur a suo quodam duce 
Hugone. Bekanntlich liieszen spätere Frankenkönige Capetinge nach Hugo Cape- 
tus (cappatus) mlul. Hugschapler (von schapel corona, pileus), der im j. 987 er 
wählt wurde und solin Hugo des groszen war, und diese namen scheint der an- 
nalist auf das fränkische volk zu übertragen, kaum ist hier Zusammenhang mit 
jenen alten Hugen, sicher aber die älteste spur des Hugdieterichs im hel- 
denbuch. o 
* auch die Kavxorjvaioi, Kioyaie^vov und Caucaland mahnten mich s. 200 
an unsere Chauci, und warum nicht? 
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