Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
AESTIER. GUTTONEN 
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Gepiden sind den Aestiern andere nachbarn gerückt, ohne zweifei die 
zu Alfreds zeit Villänder genannten, denn er läszt den Vulfstän berich 
ten: seo Visle is svide micel eä, and heo tölid Vitland and Veonod- 
land, and f)ät Vitland belimped tö Estum. hei Albericus trium fon- 
tium (Leibn. acc. hist. p. 527) werden die Vithländer zwischen Let 
ten und Samländer gerückt: erant hoc anno (1228) in illis partibus 
quinque tantummodo provinciae paganorum acquirendae: Prutia, Cur- 
landia, Lethonia, Vithlandia et Sambria, und noch heute heiszt Lief- 
land den Letten Widsemme, das zwischen Kurland und Estland lie 
gende, von widdus mitte, hat diese ableitung ihre richtigkeit? oder 
hallt in den Vidivariern und Vitländern noch der alte name Vithones 
nach? die alten benennungen Vithones und Aestii blieben, aber der 
germanische stamm scheint durch fremde einzöglinge, unter welchen 
die Finnen überwogen, getrübt und schon Jornandes sieht hier einen721 
zusammenllusz verschiedner Völker, wobei auch das litthauische ange 
schlagen werden musz, dessen spräche in Samland an die stelle der 
gothischen trat. Eginhart cap. 12 sagt: litus australe Sclavi et Aisti 
et aliae diversae incolunt nationes; altn. sagen haben Eistir; später 
meldet Vulfstän bei Alfred umständlich vom estischen gebrauch der leich- 
bestattung, worin kein deutscher, ich weisz nicht ob finnischer anklang 
ist. wenn er auszerdem anführt, dasz die Esten kein alu (ags. ealo, 
altn. öl dat. ölvi, litth. lelt. allus, est. öllut, finn. olut gen. oluen, 
olwen) brauen, sondern meth trinken (ags. meodo, altn. miödr, litth. 
middus, lett. meddus, est. möddo, finn. mesi gen. meden), der könig 
und die reichen aber Stutenmilch; so weisz noch Adam von Bremen 
(Pertz 9, 375) von den alten Samländern und Preuszen (Sembi et 
Pruzzi): carnes jumentorum pro cibo sumunt, quorum lacte vel cruore - 
utuntur in potu, ita ut inebriari dicantur, und der scholiast (9, 377) 
fügt hinzu: Golhi a Romanis vocantur Getae, de quibus Virgilius dicere 
videtur (Georg. 3, 462): 
quum fugit in Rhodopen atque in deserta Getarum, 
et lac concretum cum sanguine potat equino; 
hoc usque hodie Golhi et Sembi facere dicuntur, quos ex lacte jumen 
torum inebriari certum est. Die sage von den Hippomolgen reicht in 
hohes alterthum (II. 13, 5) und geht bekanntlich von den Skythen 
(Herod. 4, 2), musz aber auch von den Geten gegangen sein; unter 
Gothen neben Samen in Preuszen kann sich dieser scholiast nur Sarno- 
geten nach litthauischem Sprachgebrauch (s. 170) denken, keine er 
habne nachricht weist auf das melken der stuten bei entschiednen 
Germanen, obwol aus dem verbreiteten genusz des pferdefleisches auch 
das trinken der milch gefolgert werden dürfte: es war die natürlichste 
nahrung aller nomaden, vgl. oben s. 18, Strabo s. 296. 300. 302. ~ 
303. 311 und Ukerts Skythien s. 296. 412. S'fuA’S.n twcLkotv . 
Die ganze untersuchnug drängt zurück auf die Gothen, schon lAÖ.|OR. 
320 jahre vor Christus traf an der Ostsee Pylheas neben Ostiaeern || Xi . J. 
Guttonen; wir sehen im ersten jh. die Sueven als nachbarn der Geten, . 
damals war der name Sueven zugleich allgemeine benennung vieler 722 /’ 
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