Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv 
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EDDA 
deutlich mit jenem Gängrädr eins ist und wieder den pilger bezeich- 
net. wie aber Odinn selbst Vafudr = Vafjirüdnir heiszt, erscheint 
^.wiederum Gängleri oder Gänglari als name Odins (Saem. 46 a ), und 
. , Qß- rec j lt j iat di eser stelle Munchs ausgabe s. 31 b Rasks unnöthige, 
ja falsche lesart Gängrädr wieder beseitigt. Gylfi wird zwar nicht 
763iÖtunn genannt, noch ist Svijnod Iötunheim, allein er scheint doch 
r Uwä V)'eAc.v»früher im land angesessen als die äsen,Fund sonst heiszt eine riesin 
8e^Yftxi*^elet Giälp (Saun. 118 b ), Gylfi aber (ags. Gylpa Gulpa? ahd. Golfo?) drückt 
prahler aus. * Dieser Gylfi oder Gängleri legt nun eine menge fragen 
vor über die äsen, die Schöpfung, himmel und erde und wird darauf 
ausführlich von Ilär bescliieden; einmal (Sn. 23)\reden auch lafnhär 
und Thridi mit ein in die antwort. zuletzt aber scheinen dem Gängleri 
die fragen auszugehn und er wird von Här entlassen; da vernimmt er 
heftigen donner, Valhöll ist vor seinen äugen verschwunden, er kehrt 
heim in sein reich und erzählt, was ihm widerfahren war: aus seinem 
bericht schöpfte man künde von diesen dingen. Den in solchen rahmen 
gebrachten erzählungen, die durchgängig nicht blosz aus den älteren, 
vorhandnen oder verlornen liedern geschöpft sind, sondern auch den 
Zusammenhang zwischen ihnen herstellen, hat man den namen doomi- 
sögur (beispiele) erlheilt und jüngere abschreiber mögen sie gar Gyl- 
faginning (Gylfis teuschung) oder Ilärs lvgi (llärs lügen) benannt haben. 
Der andere theil der edda heiszt Bragarcedur. wie Vafjirudnismäl 
auf einem besuche Odins bei dem iölunn, Gylfaginning auf einem be 
suche Gylfis bei den göttern beruht, werden auch Bragarcedur durch 
ein gastmal eingeleitel, nach dem alten lied halte Oegir oder Gymir 
den äsen zu sich entboten und brauchte goldlicht statt des feuer- 
lichts. die edda kehrt es aber wieder um und läszt den Oegir, der 
auch Hlär heiszt, nach Asgard reisen, welchen die äsen mit gaukcl- 
spiel **, wie den Gylfi empfangen; statt des feuerlichls halte Odinn 
schwertlicht, beim gastmal sasz dem Oegir zunächst Bragi, und be 
antwortet ihm die vorgelegten fragen durch erzählungen, wie Här dem 
764 Gylfi, daher rührt der fügliche name Bragarcedur. Zugleich erhellt, 
dasz der Sammler der edda-nicht jenes lied vor sich hatte, welches 
wir unter dem namen Oegisdrecka oder Lokaglepsa besitzen, weil 
beide einleitungen völlig abweichen, es gab also verschiedne, wenn 
schon ähnliche sagen. 
Ferner trage ich keinen zweifei, dasz die sogenannte skälda oder 
skäldskaparmäl, die man in den ausgaben als dritten theil der edda 
sondert, unmittelbar und nothwendig zu Bragarcedur gehört, was im 
mer Rask s. 93 dawider sage, denn zu geschweigen, dasz sonst 
Bragarcedur viel zu geringen umfang erhalten würde, empfängt man 
* eine tochter des Gylfi, namens Heidr wird dem Sigrlami, Odins soline 
vermählt, fornald. sög. 1, 413. 
** sionhverfingum; man erinnert sich dabei des empfangs der heidnischen 
boten in Carls bürg (mythol. s. 1086); auch eine lombardische sage von Arichis 
ist zu vergleichen (Pertz 5, 479.)
	        

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