Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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der zeit änderungen und einschaltungen erfahren haben; solche bei— 
namen wie die angeführten odinischen und ihre Ursache gehören dem 
tiefsten alterthum, und es läszt sich aus einem wichtigen zeugnis des 
Paulus diaconus darthun, dasz mit der ansicht von Odins herkunft aus 
dem osten schon das achte jh. gleich den späteren, und nicht allein 
im norden, sondern auch in andern theilen Deutschlands vertraut war. 
Wodan sane, sagt er 1, 9, quem adjccta litera Gwodan dixerunt, ipse 
est qui apud Romanos Mercurius dicilur, et ab universis Germaniae 
genlibus ut deus adoratur, qui non circa haec tempora, sed longe 
anterius, nec in Germania sed in Graecia fuisse perhibetur; man hat 
ungeschickt und die kraft der ganzen stelle zerstörend, den letzten 
satz auf Mercur, statt auf Wodan ziehen wollen*, dessen und seines 
Volkes abstammung aus Griechenland (und das darf doch Thrakien und 
Getenland meinen) durch solch eine Überlieferung willkommen bestä 
tigt wird. 
Weder Paulus stellt diesen Wodan, noch die edda Odinn als 
einen betrüger, zaubercr und volksaufwiegler dar; aber der späteren 
christlichen Vorstellung muste angemessen scheinen, den von dem 
heidenlhum verehrten mächtigen namen nur in solchem licht auftreten 
zu lassen. Yngl. saga cap. 7 legt dem Odinn zauber und runenktinste 
bei, er habe todte aus der erde geweckt und alle verborgnen schätze 
gewuszt. Noch weiter schreitet Saxo grammaticus, der den Othin 
nicht blosz als machthaber schildert, sondern als listigen Verführer, 
dessen leben durch entehrende handlungen in schatten gestellt wird, 
aber auch Saxo weisz und berichtet, dasz Othin und die andern äsen 
oder dii ihren allen sitz in Griechenland hatten, oder wie er sich 771 
bestimmter ausdrückt zu Byzanz, also in Thrakien; p. 45 lieiszt es 
geradezu? at dii, quibus praecipue apud Byzantium sedes habebatur, 
Othinum variis majestatis detrimenlis divinitatis gloriam maculasse cer- 
nentes, collegio suo submovendum duxerunt. vorher aber s. 13 war 
gesagt worden: ea tempestate'cum Othinus quidam Europa tota falso 
divinitatis titulo censeretur, apud Upsalam tarnen crebriorem diversandi 
nsum habebat . . . cujus mimen septentrionis reges propensiore cultu 
prosequi cupientes effigiem ipsius aureo complexi simulacro, slatuam 
suae dignationis indicem maxima cum religionis simulatione Byzantium 
transraiserunt. als nun die ungetreue Frigga von dieser bildseule das 
gold abgezogen hatte, sei Othin vor schäm aus dem land gewichen 
und ein andrer zauberer Mitothin (unter welchem man sich Odins 
bruder Ve oder Vili bei Snorri denken mag) an seinen platz eilige- ^ viiiy 
treten, doch zuletzt Othin zuriickgekchrt und wiederhergestellt worden. — OlXaru^ 
dem Saxo war folglich Othins auszug und rückkehr in das östliche 
reich bekannt. 
Umsonst war die mühe einen Odinn und Wiedergeburten Odins 
historisch aufzustellen: es ist an ihm der hauch eines göttlichen We 
sens, das sich nicht anfassen läszt oder dem fassenden unter der hand 
* Schmidts zeitschr. für gesch. 1, 264, vgl. mythol. s. 1207.
	        

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