Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
VOLKSNAMEN 
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tern scutiferi, mhd. die c under Schilde’ gehn, ich habe s. 220 — 222 
^y.vd^rjg entweder für To'§orrjg oder scutarius genommen*. 
Am wenigsten angemessen scheint für den zustand beweglicher 782 
und wandernder Völker die dritte, durch örtliche Verhältnisse bedingte 
hauptart der namen. während die der beiden ersten arten immer tau 
gen, so lange im volk die erinnerung an seinen ahnen nicht erloschen, 
oder eine geistige und leibliche eigenheit unverwischt ist, die den na- 
men bestimmte; musz ein vom flusz, berg oder wald des Wohnsitzes 
entlehnter seinen sinn verlieren, wenn das volk in andere gegenden 
rückt, erst langer friedlicher aufenthalt an derselben stelle würde solche 
benennungen heiligen, in der that finden sich auch nach allen unsern 
groszen strömen, wie Donau, Elbe, Rhein, Weser niemals stamme be 
nannt, und nur zur nähern beslimmung eines schon bestehenden na 
mens kann der flusz gereichen, z. b. wenn von Rinfranken, rheinischen 
Franken die rede ist**, aus diesem grund bleibt mir der bezug des 
namens Fosi auf die Fuse (s. 574. 618), die nicht zum chaltischen 
gebiet paszt, ganz unwahrscheinlich, und ist dieser fluszname richtig 
aus füs promptus geleitet, warum nicht die Fosi durch alls. füsa, ahd. 
funsö d. i. ad bellum prompti deuten? sie fallen damit in die zweite 
hauptart. Mit der Ems, römisch Amisia, haben die Ampsivarii oder 
'Afiipiavol Idf.i'ipavoi des Strabo s. 291. 292 kaum zu schaffen; die 
Variante Ansivarii*** darf auf ans deus leiten und Ansivarii deos eo- 
lentes gebildet sein wie Ziowari? Ob die Salier von einem flusz oder 
gau benannt waren (s. 528) bleibt unausgemacht, doch die nordischen 
Glommas (s. 752) scheinen nach einem flusz geheiszen, wie vom ufer 
des Stroms Ubii und Ripuarii (s. 527.) aucli ist glaublich, dasz die 
einlheilung in majores und minores (s. 677) durch flüsse bestimmt 783 
wurde, wie noch heule innere grenzen und bezirkef. 
Als bewohner von insein und auen künden sich an Aviones (s. 472), 
Batavi und Chamavi (s. 531. 584); Peucini heiszen von der insei Peuce 
(s. 461.) Maltiaci und Angrivarii waren auf matten und angern nie 
dergelassen. Griotungi (s. 448) vielleicht auch am gestade des meers, 
denn grioz bedeutet arena (Graff 4, 345) und c an den griezen* c zuo 
den griezen’, c üf den wilden griezen’ im Gudrunlied das meeresufer. 
im wang hausten Vangiones (s. 497), im bant die -bantes (s. 593.) 
In heiligen Wäldern Semnonen (s. 493) Nemeten und Triböken 
(s. 497), vor allen Ilaruden und Holtsaten, Höflinge Hülzinge (s. 663), 
vielleicht auch Markomannen (s. 503), welche doch, gleich den Schwe- 
* auch mannsnamen werden aus waffen entnommen, z. b. die vielen mit -gör, 
oder Hornboge. 
** so wurden Hessen näher bestimmt in Fanehessen, Ritehessen (s. 579.) 
*** NS = MPS, vgl. oben s. 337 und meine Vorrede zu Schulze s. XI über 
amisala ampsla, was sich auch, als wäre es ansala, in ags. ösle, engl, ousle wan 
delt; war die amsei ein heiliger vogel, gleich der meise (mythol. s. 647)? 
t Umgekehrt flüsse nach Völkern genannt: die Oder Suevus J!ovrjßog bei 
Ptolemaeus nach den Sueven; Guttalus bei Plinius ein flusz östlich der Weich 
sel, Pregel oder Memel? nach den Guttonen oder Gothen.
	        

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