Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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RÜCKBLICK 
weder von den Geten noch den Gothen losgerissen werden (s. 460 — 
462): sie hausen immer in der nachbarschaft von Geten und Sky 
then*. auszer den thrakisehen Gauden gemahnen auch die thrakischen 
Sithonen (s. 744. 745) an germanische Sitonen und vor der zeit, in 
welcher man Gothen in thrakischem lande zuzugeben pflegt, sahen wir 
schon lygische und suevische Völker in Moesien und Dakien auftreten 
(s. 711.) Schlage ich die notitia dignilatum auf und ersehe das ge- 
wirre westlicher und östlicher Völker, die im laufe der ersten jhh. der 
römische Staatsdienst misbrauchte und entwürdigte, wo Daci, Scythae, 
Moesiani, Nervii, llructeri, Chamavi, Bucinobantes, Brisigavi, Mattiaci, 
Salii, Heruli, Tervingi, Taifali und eine menge anderer bunt verzeich 
net stehn; so fällt mir doch auf, dasz zwar häufig Daci, wie sich 
nach Unterwerfung ihrer provinz versteht, niemals Getae angeführt 
sind, wol aber Gothen (not. Orient, p. 88 ala Juthungorum, cohors 
Gotthorum, cohors Dacorum), beim entwerfen der rolle also Gothen 
und Daken ganz natürlich zusammentrafen, so wie Daken neben Fran 
ken, Sachsen, Quaden, Markomannen genannt wurden. 
Schade, dasz Dioscorides auszer dakischen, gallischen, afrischen 
814 Wörtern nicht auch germanische sammelte, wie Geten und Daken zu 
den Thrakern standen bleibt eine gleich anziehende und schwierige 
Untersuchung; nach Thucydides 2, 96 ist anzunehmen, dasz von Hae 
mus und Rhodope bis zum Pontus Euxinus die opeivol Qqaxtg «= 
Ftrai saszen; auffallend unterscheidet Dio Cassius 51, 22 gotische 
und thrakische Daken {/laxoii xtxXr t vxai el're örj Ftxai nvtg tl'xe 
y.ui &guxtg.) Die Thraker scheinen mir im norden mit Geten, im 
Süden mit Makedonen (welche Abel allzu griechisch macht) unablösbar 
zusammengefügt und auf jener seite deutsche, auf dieser griechische 
spräche zu vermitteln. 
Zweitens werden die gegner fortfahren: wenn keines Zusammen 
hangs zwischen Geten und Gothen Strabo, Plinius, Tacitus gewahr 
ten, ist auch zu erwarten dasz Crito (wovon nachher s. 816) und 
Dio Chrysostomus, jenen Römern gleichzeitig, nicht von Gothen, blosz 
von Geten geredet haben, was erst jahrhunderte hernach spätere fälsch 
lich auf Gothen zogen. Dio war am linken gestade des Pontus in 
Skythien und Getenland gewesen, die xaxuQaxoi Ftrai, wie er sie 
nennt, müssen ihn mit für uns untergegangnen nachrichten versehn 
haben, ob diese jTer/xa auf Verwandtschaft der östlichen Geten, un 
ter welchen er verweilt batte, zu den westlich vorgedrungnen, bei 
Römern Gothen heiszenden hinwiesen oder nicht? entgeht uns. von 
Dio Cassius, dessen mütterlicher groszvater jener Dio war, geschieht 
nur der gotischen Daken, niemals der Gothen mcldung, und Ptole- 
maeus, dem es um läge der Örter und Völker, nicht um ihren ge 
schichtlichen verband zu lliun ist, setzt wieder blosz Daken statt der 
* gleiche Wichtigkeit erlangen die Roxolanen (s. 746. 748), deren Zusam 
menhang mit Ruszland (s. 749) an den der goth. Hazdinge (s. 448) mit Hartung 
von Reuszen (mythol. s. 316. 321) gemahnt.
	        

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