Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
DIALECTE 
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einen Übertritt der Niederländer zur hochdeutschen spräche, der Dänen 
zur schwedischen halte ich in den nächsten jahrhunderten sowol für 
wahrscheinlich, als allen deutschen Völkern für heilsam, und glaube 
dasz ihm durch die lostrennung Belgiens von Holland, Norwegens von 
Dänemark vorgearbeitet ward: es leuchtet ein, dasz dem Niederländer 
lieber sein musz deutsch als französisch, dem Dänen lieber schwedisch 
als deutsch zu werden, auch verdient die spräche der berge und 
höhen zu siegen über die der flachen ebene. Dann aber wird nicht 
ausbleiben, so bald Seeland aufhört eine nordische hauptstadt zu ent 
halten, dasz auch die Jüten in ihren natürlichen verband zu Deutsch- 
1; " ’■ ■' — —,,nrl durch die deutliche SDur 
Völkerschaften ergäben und man ermittelte, welcher groszen reihe jede 
angehört habe, für solchen zweck aber müste weniger nach seltnen, 
der Schriftsprache fremden Wörtern, vielmehr nach dem Verhältnis aller 
entscheidenden laute, formen und ausdrücke geforscht werden, seien838 
diese gleich heutzutage die gangbarsten* **. Dem gang und steigenden 
fortschritt aller mundarten überhaupt angemessen ist es aber auch, 
dasz eine grosze zahl derselben sich erst in späterer zeit hervorge^ 
than haben und ihre eigenheiten in früherer noch gar nicht zu er 
warten sind. 
* in Nordschleswig und Jütland steht z. b. noch der artikel vor, nicht nach. 
** ntan hat deutsche sprachearten vorgeschlagen, es ist ziemlich leicht, an 
der grenze den unterschied zwischen wallonischem, französischem, romanischem, 
italienischem, slavischem, litthauischem und unsrer spräche zu merken, aber 
äuszerst schwer und den bisher aufgewandten krähen unerreichbar, linien mitten 
durch Deutschland zu ziehen, welche die manigfalt abstechende mundart schei 
den und fassen sollen, und nun gar mit bezug auf die geschichte der stamme, 
z. b. in der Schweiz (s. 703. 704.) Am rathsamsten wäre vielleicht, statt von 
dem ganzen, damit zu beginnen, dasz man alle Örter und bezirke, die eines auf 
fallenden, von der gemeinen spräche abweichenden idioms pflegen, auf der spe- 
cialcarte hervorhöbe und anspruchlos allmälich gröszere massen erwachsen liesze; 
es mag sich zeigen w r as daraus werden kann, eigentlnimliche Schwierigkeit er 
hebt sich für die nordöstlichen Landstriche, deren alte deutsche bevölkerung im 
verlauf der zeit von Slaven überschwemmt wurde und deren wiedereroberung an- 
siedler aus andern deutschen gegenden herbeizog, die sich dem lauf der Völker 
entgegen wieder ostwärts wandten. Worauf beim sammeln der volksmundart zu 
achten sei, ist neulich in bezug auf die schlesische musterhaft von Weinhold an 
gegeben, lange vor ihm aber von Schmeller in dem preiswürdigen bairischen Wör 
terbuch ausgeübt worden. Welchen wichtigen ausschlag für die Scheidung der 
mundarten auch sage und mythologie ergeben, lehren jetzt schon genug beispiele, 
wie der schwäbische zistag und bairische ertag (s.’508) oder die schwäbische 
sungicht und bairische sunwende. 
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