Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

ABLAUT 
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in unsrer spräche gleich ahd. dich fossa, vallum, piscina, wofür man 858 
aber ags. Juc, nicht die erwarten sollte, wie xt/vrj für xeiyvt] (oder 
altn. flestr für fleislr, nletoxog) steht nun auch t/co für iiyco, dessen 
imp. e?/ov augmentiert ist, wie tinov von tnw, mit el/io aber knüpft 
sich der ablaut oY/o/uat, dem genau das AI des goth. aih und aigum 
entspricht*, ä/net'ßto u/notßrj, tnaf.iei'ßco inaf.ioißog. /uetgo/iiui f.it~ 
pog /hoiqu. nXti'co nXeiug nXoTov. nvil(x) nvoil] (vgl. nvt(o nvoi/ 
nach zweiter conj.) iTg läszt sich, doch besser oiog für olvog (s. 241) 
zu goth. ains halten und das lillh. wienas hat IE, wie vorhin in kie— 
mas. Einigemal steht gr. Ol nicht dem goth. AI, sondern EI gegen 
über : oixog veihs; oivog vein; in noiy.lXog aber faihs ahd. föh. gr. 
EI schwankt in das E zweiter conjugation, wie dort xeivco Ivti/ua 
yiiyo/nat (pdn'yco und hier l'yco rt/vrj nvko und /utgog zeigen, dem 
griech. oxilga entspricht lat. sterilis mit kurzem, goth. stairö mit ge- 
brochnem vocal. 
Wichtig wird hier das lat. lautverhältnis Ü OE I = goth. EI AI 
I, was dem s. 845 gefundnen UI für EI neue bestätigung bringt; das 
verdichten in Ü ist leicht zu begreifen, da coelum dem gr. xoiXrj caeXu'm 
und altn. heili (s. 681), coecus dem goth. haihs, hoedus dem goth. ratcM 
gait entspricht; so scheint pünio in poena, münio in moenia abzulau- 
ten, und lat. Onus weniger olog als tlg, communis weniger das goth. 
gamains, als ein nicht bestehendes gameins. doch ist auch spüma 
ahd. feim, ags. fäm, südor ahd. sueiz, ags. svät, man nehme es dann 
für svoedor. Auszcr dem Ü erscheint aber in einzelnen wölern I, 
welches genau dem ahd. ags. altn. I entspricht: fides fidus lauten ah859 
in foedus; civis ist goth. heiv, ags. hiv; vinum goth. vein, ahd. win; 
so rechtfertigt sich ahd. pinön trucidare, trihulare aus lat. pünire. den 
Sabinerm hiesz der lat. Liber Loebasius**. Dem goth. AI näher wird 
auch AE für lat. OE geschrieben: caelum haedus macstus und so be 
greift sich caedo neben cüdo. des Tacilus Schreibung Aeslii (s. 719) 
stimmt nicht allein zu der angenommnen abkunft des namens aus goth. 
aistan, sondern auch zu des Pytheas ^Qaiuoveg für Olaxlwvtg (wie 
xco^iri f. yoi/,17].) Verdichtetes E für OE wäre dem 1 für EI analog, 
und scheint in der späteren Schreibung des miltclalters, welche hedus 
fedus cecus d. i. hfidus f^dus eßeus an die stelle von hoedus foedus 
coecus setzt, und in den romanischen sprachen umzugreifen; gleich— 
wol besitzt es auch schon das alte latein in allen schwachen verbis 
* die Vermittlung der begriffe lehrt Sttyjo, ich gehe, fahre hindurch, und 
aviyco, ich trage, halte (wie sich auch halten und haben vertreten.) oiftos via 
scheint verwandt, vielleicht oioco feram und sogar alts. ehu, das gehende oder 
tragende thier, wofür oben s. 30 goth. aihvus = lat. equus vermutet wurde. 
syco ist demnach nicht für Fiyca = veho zu hallen (Bopp vgl. gr. s. 639) und 
man unterscheide von eyco aig sowol ayco lat. ago, altn. ek 6k, sl. vedu (oben 
s. 60) als skr. vahitmi, zend. vazümi, sl. vezn, lat. veho, goth. viga, wovon oyos 
= ahd. wakan (s. 60), so nah sich die Vorstellungen liegen, denn oysco heiszt 
auch ich trage, ertrage. 
** in der aussprache mochten Ü und OE (punio poena) an einander grenzen, 
etwa wie das niederländische OE den laut U empfängt. 
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