Volltext: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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REDUPLICATION 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
j Skv. et,,*,«, 
»rv 
Reduplication im eigentlichen verstand ist vorhanden, wenn sie, 
gegenüber der einfachen gestalt des praesens, das praeteritum aus 
drückt. wie der ablaut gegen den vocal des praesens absticht, hebt 
die Wiederholung des wurzelanlauts den begriT der Vergangenheit 
heraus. 
Unter den deutschen sprachen gibt fast nur die gothische re- 
duplicationen kund; in allen übrigen sind sie verwischt und ver 
wandelt. 
866 Durehgehends hat die gothische reduplicationssilbe den diphthon 
gischen laut AI, über den man sich nicht durch das lat. und griech. 
E [an derselben stelle irren lasse, f was die consonanz betrift, so kann 
kein zweifei obwalten, wenn die Wurzel mit einfacher anlautet, von 
mehrfacher consonanz geht nur der erste buchstab in die reduplica- 
tion, d. h. von HL SL BL FL J)L BN PR FR GR nur 11 S B F J) B 
F Au# G P F G; doch haften die festeren Verbindungen SP SK ST und IIV, 
'vföfeT ^ letztere fast nothwendig, weil dafür in der schrift das unauflösbare 
lGt jk£ Y \ Zeichen 0 dient. 
' '/ ' Wichtig ist nun das Verhältnis der redupliciercnden verba zu den 
ablaulenden: reduplicieren können nur solche gothische wurzeln, deren 
vocal einem ablaut des praet. entspricht; kein reduplicierendes goth. 
verbum hat den vocal des praesens der ablautenden. 
Hiernach ergeben sich vorerst fünf reduplicierende conjugationen, 
den fünf ablautenden parallel. 
I. halda haihald haihaldum haldans. valda vaivald vaivaldum val- 
dans. gastalda gastaistald gastaistaldum gastaldans. salta saisalt sai- 
saltum saltans. fal{)a faifalj) faifal|)um falj)ans. usatya (senesco) usai- 
al|) usaial|mm usalfwns. pragga paipragg paipraggum praggans. blanda 
baibland baiblandum blandans. 
II. faha faifah faifahum fahans. haha haihah haihahum hahans. 
mutzumaszen vielleicht ara aiar aiarum arans, neben dem schwachen 
arja arida. langes £ des pluralablauts hat slöpa saizlöp saizlöpum sle- 
pans und vermutlich auch ldösa baibles baiblesum blösans. 
III. hvöpa hvaihvöp hvaihvöpum hvöpans. blöta baiblöt baiblö— 
tum blötans. 
IV. afaika afaiaik afaiaikum afaikans. laika lailaik lailaikum lai- 
kans. ga|)Iaiha ga])ai{>laili gal)ai{daibum gajdaihans. skaida skaiskaid 
skaiskaidum skaidans. haita haihait hailiailum haitans. maita maimait 
maimaitum maitans. fraisa faifrais faifraisum fraisans. 
V. blaupa haihlaup haihlaupum blaupans. auka aiauk aiaukum 
867 aukans. flauta (superbio) faiflaut faiflauluin flautans. stauta staistaut 
staistautum stautans. wahrscheinlich auch bauta (tundo) baibaut bai- 
bautum bautans. 
Das einzige slcpan und blösan befremdet, sie tragen den plural- 
ablaut slipa slap slepum, blisa blas blesum zur schau, ebwol kein 
reduplicierendes verbum auf U, I, U mit den pluralablauten der ersten, 
viert en, fünften reihe gebildet erscheint, vielleicht ist dem slßpan alul. 
släfan analog, dasz goth. fahan und hahan ahd. fähan lauten.
	        

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