Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
INSTRUMENTALIS 647 
hat der ags. nom. sg. fern. jieos und nicht seos? wie doch gothischem 
soll entspräche? im ags. j)äs erscheint suffigiertes j)ä, was dem goth. 
Jmh d. i. suffigiertem |jö entspricht. Hiermit sind aber die organi 
schen formen zu ende, denn der sprachgeist musz sich geteuscht 
und dies auslautende -s für wurzelhaft genommen haben, weil er ihm 
für die übrigen Casus die gewöhnlichen flexionen nachschickt, da es 
doch als suffix nothwendig auslauten und die flexion vor sich haben 
sollte, so beurlheile man die ahd. dtisör deses desemu desan u. s. w., 
blosz im neulr. diz und dizi mangelt der falsche stamm, genauer zu- 
gesehn, gewähren die frühesten ahd. denkmäler noch einige spuren 
des organischen zustandes, ich meine den nom. acc. pl. neutr. deisu, 
der ans ags. J^äs mahnend aus deis d. i. dei-s entsprungen ist, und 
vom gewöhnlichen disiu disu seine flexion entlehnt, ganz analog wird 
im Isidor der acc. sg. fern, dheasa statt des gewöhnlichen desa ge 
tröden, sichtbar ist deasa suffigiertes dea, und sollte blosz deas wie 
ags. fiäs lauten, lügt aber nochmals die unorganische flexion bei, so 
dasz hier das -a des weiblichen acc. zweimal ausgedrückt steht, in 
de-a und deas-a. der ahd. instr. lautet disu, disiu, ein älteres diusiu 
oder noch besser dius wäre möglich, einem solchen instr. diusu = 
alts. thius, ags. jieos gleicht aufs haar das altn. j)vlsa, wofür aber 
bald das scheinbar regelrechte [iessu einreiszt. J)visa [>eos thius ent 
sprechen alle dem goth. f)öh. der wechselnde vocal in jaeos J)äs deisu 
deasa diusu {wisa, der wechselnde consonant in {)enna fmlta jrnssu 
Jivisa entscheidet schnurstracks wider die annahme eines Stammes fies 
oder dis. 
Allein unsrer spräche stand für dieselbe demonstrative Vorstellung 
ehmals auch noch ein andrer einfacher pronominalstamm zu gebot, 
dessen wurzcl III lautete und, wie es scheint, im goth. bis hija hita, 
his hizös his, himma hizai himma, liina hija hita declinierte, gleich 
dem persönlichen pronomen is si ita, nur den nom. sg. f. setze ich 
abweichend an. es ist jedoch auszer himma und hita nur aus hina- 
dag (neben himmadaga) der acc. sg. masc. hina zu entnehmen, und 
aus der partikel hör neben hidrö (analog dem j>ar und |>a[)rö) ein instr. 
hö zu folgern, die ahd. adverbia hiutu, hiuru und hinaht (für hia- 
nalit), mhd. hiute hiure hinaht und hinle, nhd. heute heuer und heint 
(s. 432) kundigen uns ebenso den instr. hiu und acc. f. hia an, aus 
der partikel hiar = goth. hör (s. 844) neben dem instr. hiu = goth. 
hö entnehme ich willkommne bestätigung der identität des instrumen 
talen IA IU = £. Das ags. heodäg bezeugt den instr. heo, dessen 
diphthong zu dem in Jieos stimmt, wichtiger ist, dasz die ags. und 
fries. spräche ihrem geschlechtigen pron. dritter person überfill den 
anlaut II verleihen, d. h. für goth. is si ita he heo hit verwenden, 
was den Zusammenhang der persönlichen und demonstrativen pron. 
ins licht setzt, von mir aber hier nicht weiter ausgeführt wer 
den soll. 
Dies goth. his hija gleicht aber, nach dem Wechsel zwischen H 
und SZ (s. 385) dem litth. szis szi, mit welchem wiederum szendien
	        

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