Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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RECHT UND LINK 
Bei den Griechen findet man auch die linke hand ausgedrückt 
durch trtQu, die andere, der rechten entgegengesetzte, schlechte, 
die späteren verwenden d-uztQog in solchem sinn, z. b. bei Procop 
b. goth. 1, 6 stellt tnl d'aztqa dem tv dtlgioTg gegenüber, die rechte 
ist die erste, vordere hand, die linke die andere, nachfolgende, in 
den deutschen gestis Roman, ed. Keller s. 137 bedeutet c andre hant’ 
gleichfalls die linke, ebenso Ssp. 1, 63: c enen senewolden schilt in 
der anderen hant. J 
Die Litthauer stellen der deszine entgegen die kaire, linke (Szirwid 
schreibt kayre poln. lcwica, kayras poln. levvy.) ich zweifle, ob sich 
dazu unser quer obliquus, transversus (ahd. duerah, ags. {iveor, goth. 
Jwairhs) halten läszt, wofür litth. skersas, Iett. schkehrs gilt; möglich 
wäre auch unser krumm, ahd. chrump, lat. curvus und sl. kriv” obli 
quus verwandt, sehr gewagt vergleicht Bopp (malay. spr. s. 148) zu 
kaire das skr. kara hand. den Finnen ist kurakäsi die linke hand, 
995 den Esten kurra, kurri, d. h. die schlechte, schlimme, ebenso den 
Lappen kärro, kuro, das scheint dem kaire näher zu liegen, in un- 
serm alten recht heiszt bei persönlichen Verhältnissen der unfreiere 
stand diu erger hant, manus deterior, was ich aber für linke nicht 
gebraucht finde. 
Noch gewähren die keltischen sprachen einen merkwürdigen aus- 
druck: ir. ciotan, ciotog manus sinistra, gal. ciotach, welsch chwith, 
chwithig. davon ist das dänische keite manus sinistra, keithaand, was 
die alte gemeinschaft keltischer spräche mit germanischem boden be 
zeugt, und in den nordöstlichen (eigentlich schwedischen) dialecten 
nicht erscheint, aber die Norweger sagen kjeiva, kjeivhändt, die Jüten 
kave, kavhaand, die Schonen kaja. auch in Vestgötland kjäva sinistra 
manus und auf der insei Gothland gilt kajtu sinistra, kajlliaundet link- 
handig, Almqvist s. 268. 320. 432. * 
Schwierig ist das an die stelle des alten seneslre getretne franz. 
gauche, welches allen übrigen roman. sprachen, auch der graubünd- 
nerischen und wallonischen gebricht; doch geht Roquefort viel zu weit, 
wenn er 2, 538 meint, es sei erst gegen den Schlusz des 17 jh. 
aufgekommen, denn schon Rabelais 1, 6, als er des Gargantua gebürt 
beschreibt, sagt: print son chemin ä gauche et sortit par l’oreille 
senestre. im roman de Geoflroi de Mayence aus dem begin des 16 jh. 
lese ich ch. 17 pied gauche. das wort war sicher schon im 15 jh. 
gangbar, aber wie entsprang es? gauchir declinare, sich zur seite 
wenden, links drehen scheint das allfranz. gucnchir (Garins 1, 16. 
155), guenche guanche ist tour, detour, und beide Wörter enstammen 
dann dem mhd. wenken, wank, gauche ist also seitwärts gedreht, 
gewendet, d. h. link, die blume souci = solsequium hiesz prov. flor 
dal gauch (altd. wäld. 1, 125.) an das gr. yavaög ist kein gedanke. 
996 Endlich das span, izquierdo rührt her aus dem baskischen izquerra, 
jDiet 
* auf der insei Silt heiszt der hauptort Keitum; hängt dieser name mit 
keit link zusammen?
	        

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