© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 79
--- 126 —-20.
1.
Der betrogene Ritter,
er.)
Der Ritter nimmt den Habicht, und der Diener den Hund,
So reiten sie in den Rosenwaid zur Stund.
Und sie fanden unter einer grünen Linde schön
Ein stolz Iungfräulein verborgen stehn.
„Hier steht Ihr, schön und holde Maid:
Warum steht Ihr hier in nächtlicher Zeit?"
Hier hab ich gestanden die Nacht so lang,
Und gehorcht mit Freud' aus der Vöglein Sang.
„Nicht hörtest du auf der Vöglein Sang,
Du siehst hier zu erwarten einen Ritlers'-Mann.
Das taugt nicht, langer zu bergen vor dir:
Ei» Ritter aus Skaanen hat sich verlobt mit rnir.
„Hör, schöne Jungfrau, was ich sage zu dir:
Verlaß du diesen, und verlob dich mir mir."
„Ach'wärst du geboren, wie du bist schön.
All Dänemark müßte unter dir stehn."
„Sey meine Liebste, deine Treue gib mir,
Ruhm, Zucht und Ehre soll werden dir."
«Ich geb dir Burgen und Schmuck von Gold,
Sey du meine Braut, und sey mir hold."
Das geschieht nimmermehr so lang ich lebe.
Daß ich zwei Rittern meine Treue gebe.
Thu' das, Ritter, um diö Ehre dein.
Führ mich als Jungfrau zur Kammer mein.