Volltext: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

©  Hessisches  Staatsarchiv  Marburg,  Best.  340  Grimm  Nr.  L  79

—  128
II.
Die  betrogene  Jungfrau.
Der  Aar  auf  hohem  Felsen  geht.
Und  die  Lind  im  tiefen  Thals  steht.
Aber  den  Gesell  vergißt  sie  nimmer!
Zn  der  Linde  da  singt  ein  Staar  so  sein:
Da  ists  so  lieblich  auf  DovetS  Felsenstein.
Da  wächst  auf  die  Linde,  da  singt  der  Staar  so  fein:
Aber  die  Welle  bricht  den  harten  Stein.
Und  die  Welle  bricht  das  harte  Ei:
Aber  herzlich  Sorgen  macht  die  Liebe  stark  und  frei.
Sie  macht  beides  bleich  und  dumm.
Und  die  Rosen-Wangen  wendet  sie  um:
Wendet  sie  um,  wie  Thau  vor  der  Sonne  Strahl,
Sie  rauscht  sie  um  so  manchesmal.
Der  Ritter  nimmt  den  Habicht,  der  Gesell  nimmt  den  Hund,
So  reiten  sie  in  den  Rosenwald  zur  Stund.
Er  hieb  den  Hafer,  spannte  die  Schlingen  auf:
So  pflegt  ein  Ritter  zu  fahren  nach  den  Thieren  aus^
Er  fing  die  Thiere  groß  und  klein.
Er  griff  die  Hindin  und  das  rasche  Rehlein.
Und  ein  wilder  Hirsch  der  kam  gegangen,
Die  andern  kleinen  Thier  jagt'  er  von  dannen.
Er  mag  ihm  gönnen  das  wcn'ge,  das  er  vermag.
Der  Zäger  läßt  sich  doch  nicht  verdrießen  die  Sach.
Er  fand  bei  einer  Linde  so  grün  und  schön
Ein  Jungfräulein  verborge»  stehn.

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