Volltext: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

©  Hessisches  Staatsarchiv  Marburg,  Best.  340  Grimm  Nr.  L  79

XV

erwacht,  klagend,  daß  er  nicht  in  Frieden  unter  der
schwarzen  Erde  liegen  könne.  Ader  der  Sohn  will  sein
Schwert  haben,  und  droht  da6  Grab  sonst  in  fünftausend ­
  Stück  zu  zerschlagen:  da  wirft  cs  der  Todte
heraus,  daß  die  Spitze  in  der  Erde  stecken  bleidt.  Es
ist  noch  die  ganze  Größe  und  Wildheit  der  altnordischen
Sagen  in  diesem  Lied.  Diese  Macht  der  ersten  Dichtung, ­
  die  wie  ein  Berastrom  Felsenstücke  herunter  wirft
und  alles  mit  sich  fortreißt,  kann  doch  nimmermehr  durch
die  spatere  Anmuth  und  äußerliche  Vollendung  ersetzt
werden.  Freilich  diejenigen,  welche  sich  auch  in  der
Poesie  eine  bestimmte  Art  herausgesucht,  und  nur  auf
einen  Ton  aus  ihrem  vollstimmigen  Weltconcerr  hören
wollen,  werden  wenig  Gefallen  an  diesen  Liedern  tragen. ­
  Und  doch  bricht  durch  dies  ungebandigte  Riesenleben ­
  oft  ein  zarter  Gedanken,  wie  durch  Felsen  ein
Sonnenstrahl.  Wie  edel  ist  der  König,  der  gegen  Vi-^
brich  streiten  muß:  er  weiß,  daß  er  unterliegen  wird,
doch  soll  es  niemand,  seine  Braut  nicht  hören,  daß
er  einem  gewichen;  dann  wünscht  er  sich  den  Tod  von
solch  einem  Helden,  und  bindet  noch  zur  Beschützung
einen  rochen  Seidenfaden  um  seinen  goldnen  Helm:
und  muß  nicht  Vidnch  selbst  klagen,  daß  ec  todt  zu
seinen  Füßen  liege?  Es  kommt  auch  hier,  wie  häufig
in  andern  nordischen  Sagen,  vor,  daß  das  ganze  Leben ­
  der  Rache  für  Vater  oder  Verwandte  geopfert  wird,
aber  rudt  diese  nickt  wieder  aur  eimr  aroLen  Wpfw»?
Rührend  ist  die  Sage  von  der  Treue  des  Löwen  er
	        
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