Full text: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

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keineswegs eigenthümliclie Vorzüge abgehn; todter und 
unausgestatteler, bis auf ein paar umstände über die 
königliche Hofhaltung, bleibt die darstellung des loth 
ringischen mönchs. 
Im anhang werden kleinere, nicht in der erzählen 
den langzeile verfafste, schon mehr liedermäfsige, ge- 
diclite mitgetheilt, deren bekanntmachung andere her- 
ausgeber leicht gänzlich abgelehnt hätten, die von mir 
aber gern übernommen worden ist, sie stehn in der 
arbeit und im eindruck um eine stufe niedriger als 
jene gröfseren, sind ihnen jedoch meistens gleichzeitig 
und vervollständigen unsere anscliauung von dem poe 
tischen bereich jener fernen jahrhunderte. es scheint 
wünschenswerth, dafs sie noch reichlicher aus hand- 
schriften, in denen sie zerstreut verborgen liegen kön 
nen, hervorgesucht werden, ich halte sie für versuche, 
aus der menge deutscher volksgesänge, die damals auf 
offenen strafsen und wegscheiden erschollen, und niemals 
niedergeschrieben den nachlebenden geschlechtern nicht 
bekannt werden konnten, wenigstens einzelne, zur er- 
heiterung der geistlichen weit, lateinisch zu behandeln. 
Lauter höchst einfache, augenblicklich in die sinne 
fallende, aber immer anziehende, einem gemischten 
kreise der liörer behagliche Stoffe des manigfaltigsten 
gehalts, tragisch, comisch, mythisch, aus der geschickte 
oder der thierfabel entnommen, am liebsten aber 
schwankhaft oder spöttisch, zuweilen auch wol mit an 
gehängter lehre und geistlicher vermahnung. Ein sol 
cher vortrag heifst bald cantilena, bald versus, bald ludus 
oder jocus, rumor und fahula *), woraus die deutschen 
*) ein ludicrum carmen de convivio caelitum, das ein Franke 
des neunten jh. gedichtet haben mag, ist aus einer hs. des zehn 
ten von Endlicher codd, vindob. s. 296-298 mitgetheilt worden. 
In des weit spätem Thomae Cantipratani bonum universale de apibus 
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