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mag fichs mit Heer (harjis) gemilcht haben; wo nicht ältere Formen
vorliegen, wie z. B. Hariolt neben Heriolt, läfst fich difs nicht entfcheiden.
Hairus bedeutet Schwert, und fo wäre denn Horand (Hernand,
goth. Hairu-nanths?) der Schwertkühne, paffende Benennung für
den der den Auftrag hat nach Hilde den Raubzug zu thun. Der Zug
dafs in unferer Sage mehr feine Sängerkunft hervortritt, gehört ficher
einer andern Zeit an als die Wahl des Namens: entweder einer fpäteren
die den Horand nicht mehr, oder einer früheren die ihn noch nicht als
gewaltfamen Räuber auftreten liefs.
Aufser Horand hat fich die Geftalt des Räubers noch andere zugefeilt.
In Gd II ragen aus ihnen die beiden hervor die dem Horand bei
Entführung der Hilde beiftehn: Wate und Fruote, beide wohl erft fpäter
aus andern Sagen hieher entlehnt. Wate ift nach der Wilkina-Saga
(Cap. 18 und ff.), wo er Vadi (Wadi) genannt wird, ein Riefe, [der Sohn
des Vilkinus von einer Meerfrau, die nach dem Lied von der Ravenna-Schlacht
1 Waghilde (Wäc-hilt) heifst, und Vater Velinds (Wielands),
Grofsvater Wittichs. Hinfichtlich der Wildheit, die in der Gudrun fo
ftark hervortritt, fagt die Wilkina-Saga zwar er habe die rauhen Sitten
feiner Mutter gehabt; übrigens erfcheint er in feinem Wohnfitze Seeland
vollkommen friedlich, und nur beforgt dafs fein Sohn Wieland das
Schmiedehandwerk gut erlerne. Kriegerisch, wie in der Gudrun, zeigt
fich Wate nur noch im Gedichte von Dieterichs Flucht, wo er einer von
Ermenrichs Tapferften ift, löwengrimm heilst, aber von Dietleib erfchlagen
wird. 2 Von feiner übermenfchlichen Herkunft find in der Gudrun noch
mehrere Spuren: er hat die Kraft von 26 Männern (1469), ift eine Geftalt
die Entfetzen einflöfst (1510), kennt in der Rache kein Erbarmen (1503),
fo dafs er fogar die Gudrun mit dem Tode bedroht (1520), fügt zu feiner
Graufamkeit noch den Spott (1528). Vor allem gehört hieher fein Horn,
deffen Schall fo ftark ift dafs man es 30 Meilen weit hört (1392), dafs
die See davon fchäumend wogt, und die Mauern der feindlichen Burg
brechen möchten (1394); das wilde Weib von dem er die wunderbare
Heilkunft gelernt hat (529), ift ohne Zweifel feine Mutter Waghilde.
Fruote, d. i. der Weife, erfcheint bei Snorro 3 unter dem Namen
1 Str. 964 ff., nach dem Abdruck im zweiten Theil von Hägens und Primiffers Ileldenbuch.
2 Im zweiten Theil von Hägens und Büfchings Heldenbuch. Z. 6270. 6690 ff. Die Vergleichung
mit einem Löwen (3940) hat auch unfer Gedicht (Str. 1397).
3 Snorra-Edda, ütgefinn af Rask. Stockhölmi 1818. — S. 146.