Full text: [Rezension:] Die althochdeutschen Präpositionen. Ein Beytrag zur deutschen Sprachkunde und Vorläufer eines althochdeutschen Sprachschatzes, nach den Quellen des achten bis elften Jahrhunderts, Von E. G. Graff. (..) Königsberg: Bornträger 1824

Zur deutschen Sprachkunde. 
xxvm.Bd. 
* 
mit größerer Befriedigung verweilen, und der man einen dauer 
hafteren Werth beylegen könnte. Ihr Verfasser hat sich durch 
nichts gestört, und der abseits lockenden Vergleichung der übri 
gen deutschen Mundarten oder verwandter Sprachen ausweichend, 
gerade dadurch die sauberste Abgrenzung und Erschöpfung seines 
Gegenstandes möglich gemacht. Nur auf das Gothische mußte 
in wenigen Fällen Rücksicht genommen werden, Untersuchungen 
über den Ursprung der Präpositionellen Formen ließen sich auf 
bloß althochdeutschem Grund und Boden gar nicht anstellen. Bey 
der Beurtheilung einer Schrift, die sich in ihrem Gebiete ab 
schließt, und der sich wenig Bedeutendes zufügen läßt, werde ich 
aber jenen Weg verlassen, und um Gelegenheit zu einigen weite 
ren Bemerkungen zu finden, mich über die althochdeutsche Mund 
art hinaus verbreiten dürfen. 
Präpositionen sind Partikeln, welche die Abhängigkeit eines 
Nomens von einem Verbum näher (als es durch den bloßen Ca 
sus geschehen kann) bestimmen; oder um kürzer, wiewohl etwas 
ungenauer ^) zudefiniren: welche einen Casus obliquus regieren. 
Das Verbum mag in vielen Fällen ausgelassen seyn: gern im 
himmel; der König von Dänemark 2 ) 5 treu bis in den tod, 
heißt eigentlich: qui es in coelo , qui coelitus imperas ; qui 
oritur e Dania; donec ibo in mortem. Das abhängige No 
men (welches nie im Nominativ noch Vocativ stehen darf) kann 
aber nie fehlen; wo es abgeht, ist keine Präposition anzunehmen, 
sondern Adverbium oder Conjunction. In: ieb laufe durch den. 
wald, das wasser Hiesst über das land, sind durch, über 
Präpositionen; hingegen in: das wasser dringt durch , lauft 
über, Adverbia. Daher sich der Benennung untrennbarer 3 ) Prä 
positionen ganz enthalten werden sollte; solche Partikeln, die nur 
in der Composition gelten, sind lediglich Adverbia, z. B. ver 
nichten, he-weisen, ver-nichtung, he - weis , so gut wie 
durch-laufen , über - Hiessen , durch - laus, über-Hufs. Es 
können folglich dieselben Partikeln, welche eine Sprache präpo- 
sitionell gebraucht, in der nämlichen oder einer nahe verwandten 
Form zugleich Adverbia seyn. Weiter, Partikeln, die früher bloße 
Adverbia waren, können in einer folgenden Sprachperiode zu 
*) Deßhalb, weil auch von Adverbien, Conjunetionen, ja Jnterjeetio- 
nen zuweilen Casus abhängen. 
*) Im vorigen und im siebzehnten Jahrhunderte sagte man auch: der 
König in Dänemarks iV-JW/frovv/. 
*) Praepositiones loquelares , und gegenüber casuales. Schnei- 
d e r's lat. Elementarlehre, S. 519.
	        

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