Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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trat, so wäre es leicht ergänzungen der vermuteten lücke aufzufinden, z. b. 
folgende: der von dem her der heiden sprach, 
wiez dulte manec ungemach 
dicke von Absalone (*); 
ohne dafs durch diesen satz die Verbindung der folgenden verse mit dem na- 
men des dichters gehemmt würde. Die gewagten worte zielen freilich ins 
blaue; eine gutes glück müste wollen, dafs das entbehrte gedieht oder eine 
ältere vollständige handschrift des Wilhelm von Orlens zum Vorschein käme. 
Was immerhin an der stelle ursprünglich gestanden habe, der verstüm 
melnde Schreiber, der sich nicht darin zu finden wüste, konnte absichtlich 
die partikel 'oder 3 einschwärzen, um den schein eines aufgezählten dichters 
herbeizuführen. 
Man braucht aber nicht einmal eine kecke ergänzung, blofs die noth- 
wendigkeit irgend eines bezugs des namens Absalon auf den inhalt des ge- 
dichts zu billigen, und es ist eine menge von folgerungen eingeräumt. Fällt 
der zwischendichter weg, so wird augenscheinlich Freidank, den wir bis 
her blofs als Verfasser des grofsen spruchgedichts kennen, auch in die reihe 
erzählender dichter aufgenommen; könnte etwas an sich natürlicher und an 
gemessener scheinen? Das ist klar, dafs Rudolf, seiner absicht nach, hier 
blofs aventiurendichter herzählend, den Freidank, wenn wir nichts von ihm 
hätten als die Bescheidenheit, gar nicht c in dirre schar 3 nennen durfte; jetzt 
aber scheint sich alles zu fügen. Freidank findet seinen platz, w T eil er von 
Absalon und kaiser Friedrich dichtete, und wie treffend schicken sich beide 
gedichte nebeneinander, beide für ihn. Absalons thaten konnten schwerlich 
besungen werden, mindestens von einem Deutschen nicht, ohne dafs Friedrich 
und vielleicht Heinrich und Reinold in die geschichte eingewebt wurden, 
wer weifs ob sie ihr und der ganzen anlage des werks nicht wesentlich wa 
ren? Ein dichter, der sich diesen stof aus einer von ihm selbst noch miter 
lebten oder kurz verwichnen zeit erlas, muste nothwendig dahin geführt wer 
den, die thaten und das leben Friedrichs bis zu dessen ruhmvollem tod zu 
behandeln; beide gedichte hiengen innerlich zusammen, ja sie könnten ein 
(*) Im sinn habe ich die von Saxo gramm. p. 738 ff. (ed. Müller) erzählten Vorgänge 
der jahre 1158. 1159, vgl. Bartholds gesch. von Rügen und Pommern 2, 152. Giesebrechts 
wendische gesch. 3, 92.
	        

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