Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

essisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 196 
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Nach Wilkens Verzeichnis der Heidelberger handschriften s. 544 sol 
len im cod. palat. 844 blatt 135-150 bruchstücke eines altdeutschen gedichts 
auf Friedrich Rothbart enthalten sein; das liefse kostbaren fund erwarten. 
Es ist aber nichts als der bekannte brief des priesters Johann über seine herr- 
lichkeiten, der bald an den griechischen kaiser Emanuel (1143-1180), bald 
an den deutschen Friedrich gerichtet wird (*), hier, nach dieser letzteren 
Version, von einem Deutschen zu Königsberg (Ujbänya) in Ungern, wahr 
scheinlich gegen den schlufs des vierzehnten oder schon im fünfzehnten Jahr 
hundert ziemlich roh und ungeschlacht gedichtet; den namen Oswalt am 
Schlüsse und die jahrzahl 147f beziehe ich blofs auf den Schreiber ( 2 ). Will 
kommen scheint dennoch die zuletzt darin enthaltne umständliche meldung, 
wie das schreiben des priesters Johannes mit andern geschenken begleitet 
über Italien nach Deutschland gelangt, von Friedrich geehrt und durch eine 
gegengabe erwiedert wird; der kaiser habe aus den kleinoden ein fingerlein, 
das unsichtbar machte, heimlich für sich behalten, und als er späterhin in 
des pabstes bann gefallen, diesen ring auf einer jagd an die hand gelegt, sei 
dann plötzlich verschwunden und nimmer erblickt worden, das gemeine 
volk aber glaube an seine dereinstige Wiederkehr. Dieser ganze bericht ist 
merkwürdig genug um im anhang A mitgetheilt zu werden: augenscheinlich 
sind dabei der erste und zweite Friedrich vermengt ( 3 ), auf keinen derselben 
fügt sich das in der volkssage wol schon früh begründete verschwinden des 
königs, dessen ersehnte rückkunft eben aus dem wunder geschlossen wird. 
Friedrich 1 ertrank 1190 im Kalykadnus und wurde zu Antiochien begraben, 
Friedrich 2 starb 1250 siech zu Luceria und ihm wurde in Sicilienfein präch 
tiges grabmal errichtet. Aus dem gedieht erhellt nicht sicher, welchen könig 
der Verfasser meint; die künde vom priester Johann erscholl zuerst in der 
mitte des zwölften Jahrhunderts und wie an Emanuel ist der brief Johanns 
( 1 ) Nach beiden formularen, lateinisch und französisch, gedruckt in Jubinals Rutebeuf 
2, 444-470. 
( 2 ) Ein anderes völlig verschiednes gedieht über denselben gegenständ steht gedruckt in 
Haupts altd. blättern 1,308-324. V^f • CUjuJ, $Ötu.te£ Q 10-ä ^T" 
( 3 ) Man unterscheidet sonst den ersten durch den beisatz 'des alten, 5 z. b. in einer 
MB. 29 J , 310 gedruckten chronik heilst es: Eckprecht von Puten, der fuor mit dem alten 
chaiser Fridreich gegen Mailan. Das volk hatte lange die redensarten: auf den alten kai 
ser hinein leben, warten, vgl. deutsche mythol. s. 910. 
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