Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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an den gleichzeitigen Friedrich den ersten. Diesen aber traf kein bannstrahl, 
Friedrich der zweite wurde zwar nicht von Honorius dem dritten, dagegen 
von Gregor dem neunten zweimal, 1227 und 1239, gebannt. Philipp von 
Frankreich (1180-1223) schickt sich zu beiden Friedrichen. Der durch lange 
Jahrhunderte dauernde Volksglaube an des geliebten helden verschwinden 
und rückkehr (*) konnte sich leichter auf einen im fernen morgenland unge 
wöhnlicher weise in den wellen ertrunknen könig beziehen, als auf den jün- 
gern Friedrich, der im bett, wie man wol glaubte, vergiftet starb; doch Jo 
hann von Winterthur, seine chronik in der mitte des vierzehnten Jahrhun 
derts schreibend, gedenkt allerdings einer sage, dafs Friedrich der zweite 
durch Weissagungen erschreckt aus der heimat gewichen sei und mit treuen 
dienern in anderm welttheil glücklich lebe; Ursache auszuwandern hatte der 
im bann von seinen eignen unterthanen gemiedne könig. Der ältere Fried 
rich hingegen eignet sich weit mehr für die volkssage ( 2 ) und es könnte sein, 
dafs schon dreifsig jahre nach seinem tod das dem Freidank überwiesene ge 
dieht von dem verschwundnen berichtete. 
Ich wende mich zu der lateinischen poesie. 
Der frühste dichter, von dem man bisher lateinische verse auf Fried 
rich Rothbart kennt, wo nicht schon jene carmina favorabilia (s. 4) aus 
dem jahr 1158 lateinische waren, ist Gotfried von Yiterbo. Lange zeit 
in der kaiserlichen capeile, erst von Conrad dem dritten, dann von Fried 
rich und Heinrich dem sechsten zu geschäften verwandt, ein Welscher, aber 
in Bamberg auferzogen und immer den hofhaltungen aus Italien nach Deutsch 
land folgend, hatjim xvii. buch seines weitläufigen pantheons die deutschen 
könige, zuletzt also auch Friedrich und dessen ältesten sohn besungen, das 
ganze werk ist bis zu 1186 geführt und noch bei Friedrichs lebzeiten vollen 
det. Ein mann der so viel gesehn und gelesen, wie Gotfried, wäre noch zu 
reichhaltigeren mittheilungen, als er in dem weitgreifenden buche gibt, ge 
eignet gewesen; aus breiter, mönchischer prosa pflegt er abwechselnd in leo- 
(*) Deutsche mythologle s. 906-910. 
( 2 ) Die cento novelle antiche, eine ungefähr in der mitte des dreizehnten Jahrhunderts 
entsprungne samlung, erzählen nov. 20. 21. 22. 23. 88. 98 nur vom ersten Federigo. Nach 
der letzten nov. soll er auf den berg des alten (alla montagna del veglio), d. h. zum alten 
vom berg, dem herrn der Assassinen gekommen sein. 
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