Volltext: Über das Pedantische in der deutschen Sprache

essisches  Staatsarchiv  Marburg,  Best.  340  Grimm  Nr.  Dr  201

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wollte  er  länger  di  für  de  behalten,  seit  ihm  die  philologen  eingebildet  habert,
nur  de  im  lateinischen  worte  sei  recht,  überhaupt  entstellt  der  pedant  ungern
fremde  Wörter,  und  möchte  wie  Tataren  für  Tartaren,  Petrarca  für  Petrarch,
chamomille  für  kamille  wieder  einführen;  zur  hauptangelegenheit  aber  wird  es
ihm  teutsch  für  deutsch  zu  schreiben,  weil  es  heifse  Teutonen,  da  doch  das  lat.
T  gerade  der  schlagendste  grund  für  das  deutsche  D  in  diesem  wort  ist  und
niemand  darauf  verfällt  Tietrich  an  die  stelle  von  Dietrich,  worin  dieselbe
Wurzel  steckt,  zu  setzen.  Am  allermeisten  in  seinem  wesen  fühlt  er  sich,
wenn  Sachkenntnisse  ihn  ermächtigen  die  spräche  zu  bessern;  er  wird  seiner
schwindsüchtigen  frau  nicht  eselsmilch( 1 ),  nur  eselinnenmilch  zu  trinken  anrathen,
  und  selbst  den  unschuldigen  namen  der  euphorbia  cyparissus,  Wolfsmilch, ­
  wäre  er  nach  solcher  analogie  zu  berichtigen  versucht,  obgleich  auch
die  wölfin  ihre  milch  nicht  gegeben  hat,  als  dies  kraut  erschaffen  wurde.
Zeichenlehrer,  rechenmeister  kommen  dem  pedant  höchst  albern  vor  und  werden ­
  durch  zeichnenlehrer,  rechnenmeister  ersetzt,  als  dürfte  unsre  spräche  irgend ­
  in  eine  Zusammensetzung  den  baaren  infinitiv  aufnehmen.  c am  ersten  mai 3
zu  setzen  vermeidet  er,  es  müsse  heifsen  'am  ersten  des  mais 3 ,  nemlich  tage.  In
der  syntax  sind  ihm  unterschiede  nahe  liegender  constructionen  zuwider,  wie
zwischen  wein  trinken  und  weines  trinken,  zwischen  was  hilft  mich?  und  was
hilft  mir?  dort  soll  blofs  der  accusativ,  hier  blofs  der  dativ  gerecht  sein.
Keine  einzige  aller  europäischen  sprachen  hat  so  ungebärdige  schlecht  beholfne
  Übertragungen  technischer  und  grammatischer  ausdrücke  hervorgegebracht,
  vom  zeugefall,  klagefall  und  ruffall  an  bis  zur  anzeigenden  und  bedingenden ­
  art  herab,  wie  sie  in  deutschen  büchern  stehn.
Man  sollte  glauben,  dafs  bei  dem  schönen  ihr  eignen  hang  zu  schmuckloser ­
  einfachheit  unsere  spräche  vorzugsweise  für  Übersetzungen  geschickt
sei;  und  bis  auf  einen  gewissen  grad  gibt  sie  sich  auch  gern  dazu  her.  Es
heifst  jedoch  den  werth  dieser  unter  uns  allzusehr  eingerissenen  unersättlichen ­
  Verdeutschungen  fast  jedes  fremden  Werkes  von  ruf  übertreiben,  wenn
sogar  behauptet  worden  ist,  einzelne  derselben  seien  so  gelungen,  dafs  sich
aus  ihnen  der  urtext,  wenn  er  abhanden  käme,  hersteilen  lassen  würde.  Ich
wenigstens  bekenne,  keinen  begrif  davon  zu  haben,  dafs  selbst  aus  Schlegels

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( 1 )  wie  der  Grieche  o  und  vj  ouog,  sagte  auch  der  Gothe  sa  und  so  asilus  und  beide  r
bilden  den  gen.  asiiaus.  goth.  wäre  also  asilaus  miluks  so  genau  wie  das  gr.  iTmonokyog.  Äc)el/uwj  noJ)0*  tvoA  .
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