Volltext: Kinder- und Hausmärchen (3)

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gibt  Märchen  die  ausschließlich  von  solchen  erzählen,  die  in  ihrer
Kunst  den  letzten  Grab  erreicht  haben,  und  darin  stimmen  indische,
deutsche,  nordische  und  italienische  Überlieferungen  zusammen.
Endlich  der  Bruder  Lustig  ober  der  Spielhansel  der  sich  um
nichts  kümmert  als  um  ein  fröhliches  Leben,  und  den  Unterschied  zwischen ­
  Recht  und  Unrecht  zu  beachten  selten  ausgelegt  scheint.  Da  er
aber  von  Natur  nicht  bösartig  ist  und  eine  solche  Stimmung  sich  ohne
Humor  nicht  durchsetzen  laßt,  so  geht  ihm  manches  hin,  was  bei  andern ­
  für  unerlaubt  gilt,  me  Shakespear  seinen  Falstaff,  der  nur  in
diesem  Wasser  schwimmen  kann,  sogar  liebenswürdig  zu  machen  gewußt ­
  hat.  Die  Märchen  stellen  ibn  meist  dar,  wie  er  mit  dem  Herrn
oder  dem  Apostel  Petrus,  die  auf  Erden  wandeln,  zusammen  kommt.
Der  Herr  will  bei  ibm  Herbergen,  und  der  Bruder  Lustig  ist  bereit  das
letzte  mit  ihm  zu  theilen,  veruntreut  aber  gleich  in,  Spiel  den  Groschen,
der  ihm  gegeben  war  einen  Trunk  tu  holen.  Dem  Apostel,  der  ihn
in  der  Gestalt  eines  Armen  run  ein  Almosen  anspricht,  reicht  er  seinen
letzten  Heller,  und  als  dieser,  weil  er  glaubt  einen  Frommen  gefunden
zu  haben,  mit  ihm  zieht,  betrügt  er  ihn  alsbald  um  das  Herz  des  gebratenen ­
  Lämmchens  und  äußert  seinen  Verdruß  daß  jemand,  dem
so  große  Macht  zu  Gebote  stehe,  nicht  mehr  Geld  zu  gewinnen  suche.
Als  Bärenhäuter  dient  er  dem  Teufet,  wird  aber  aus  der  Hölle  wieder
fort  geschickt.  Den  Tod  bat  er  lange  zum  Narren,  als  er  endlich  genöthigt ­
  ist  ihm  zu  folgen,  wollen  weder  Himmel  noch  Hölle  ihn  einlasset,, ­
  bis  er  durch  eine  Lift  sich  Eingängen  jenen  verschafft.
Gemeinsam  allen  Märchen  sind  die  Überreste  eines  in  die  älteste
Zeit  hinauf  reichenden  Glaubens,  der  sich  in  bildlicher  Auffassung
übersinnlicher  Dinge  ausspricht.  Dies  Mythische  gleicht  kleinen
Stückchen  eines  zersprungenen  Edelsteins,  die  aus  dem  von  Gras  und
Blumes  überwachsenen  Boden  zerstreut  liegen  und  nur  von  dem  schärfer ­
  blickendet,  Auge  entdeckt  werden.  Die  Bedeutung  davon  ist  längst
verloren,  aber  sie  wird  noch  empfunden,  und  gibt  dem  Märchen  seinen
Gehalt,  während  es  zugleich  die  natürliche  Lust  an  dem  Wunderbaren
befriedigt;  niemals  sind  sie  bloßes  Farbenspiel  gehaltloser  Phantasie.
Das  Mythische  dehnt  sich  aus  je  weiter  wir  zurück  gehen,  ja  es  scheint
den  einzigen  Inhalt  der  ältesten  Dichtung  ausgemacht  zu  haben.  Wir
sehen  wie  diese,  getragen  von  der  Erhabenheit  ihres  Gegenstandes
und  unbesorgt  um  Einklang  mit  der  Wirklichkeit,  wenn  sie  die  geheimnisreichen ­
  und  furchtbaren  Naturkrafte  schildert,  auch  das  Unglaub-"

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