Full text: Kinder- und Hausmärchen

— 187 — 
28. 
UurnpelstihchLN. 
Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte 
eine schöne Tochter. Nun traf es sich, daß er mit dem Könige 
zu sprechen kam, und um sich ein Ansehen zu geben, sagte 
er zu ihm 'ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold 
spinnen.' Der König sprach zum Müller 'das ist eine Kunst, 
die mir wohl gefällt; wenn deine Tochter so geschickt ist, wie 
du sagst, so bring sie morgen in mein Schloß, da will ich 
sie auf die Probe stellen.' Als das Mädchen kam, führte er 
es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihm Rad 
und Haspel und sprach 'jetzt mach dich an die Arbeit, und 
wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh 
nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.' Darauf 
schloß er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin. 
Da saß nun die arme Müllerstochter und wußte um ihr 
Leben keinen Rat, sie verstand gar nichts davon, wie man 
Stroh zu Gold spinnen konnte, und ihre Angst ward immer 
größer, daß sie endlich zu weinen anfing. Da ging auf 
einmal die Thüre auf, und trat ein kleines Männchen herein 
und sprach 'guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint 
sie so sehr?' 'Ach,' antwortete das Mädchen, 'ich soll Stroh 
zu Gold spinnen und verstehe das nicht.' Sprach das
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.