Full text: Kinder- und Hausmärchen

II. 
Die drei Spinnerinnen. 
Es war ein Mädchen faul und wollte nicht spinnen, 
und die Mutter mochte sagen was sie wollte, sie konnte es 
nicht dazu bringen. Endlich übernahm die Mutter eininal 
Zorn und Ungeduld, daß sie ihm Schläge gab, worüber es 
laut zu weinen anfing. Nun fuhr gerade die Königin vor 
bei, und als sie das Weinen hörte, ließ sie anhalten, trat 
in das Haus und fragte die Mutter, warum sie ihre Tochter 
schlüge, daß man sie draußen auf der Straße schreien hörte. 
Da schämte sich die Frau, daß sie die Faulheit ihrer Tochter 
offenbaren sollte und sprach 'ich kann sie nicht vom Spinnen 
abbringen, sie will immer und ewig spinnen, und ich bin 
arm und kann den Flachs nicht herbeischaffen? Da ant 
wortete die Königin 'ich höre nichts lieber als spinnen und 
bin nicht vergnügter, als wenn die Räder schnurren: gebt 
mir eure Tochter mit ins Schloß, ich habe Flachs genug, 
da soll sie spinnen, so viel sie Lust hat? Die Mutter wars 
von Herzen gerne zufrieden, und die Königin nahm das 
Mädchen mit. Als sie ins Schloß gekommen waren, führte 
sie es hinauf zu drei Kammern, die lagen von unten bis 
oben voll vom schönsten Flachs. 'Nun spinn mir diesen 
Flachs,' sprach sie, 'und wenn du es fertig bringst, so sollst 
du meinen ältesten Sohn zum Gemahl haben; bist du gleich
        

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