Volltext: Kinder- und Hausmärchen

Rothkäppchen.

Es  war  einmal  eine  kleine  süße  Dirne,  die  hatte  jedermann  lieb,
der  sie  nur  ansah,  am  allerliebsten  aber  die  Großmutter,  die
wußte  gar  nicht  was  sie  alles  dem  Kinde  geben  sollte.  Einmal
schenkte  sie  ihm  ein  Käppchen  von  rothem  Sammet,  und  weil  ihm
das  so  wohl  stand,  und  es  nichts  anders  mehr  tragen  wollte,  hieß
es  nur  das  Rothkäppchen.  Da  sagte  einmal  seine  Mutter  zu  ihm
«komm,  Rothkäppchen,  da  hast  du  ein  Stück  Kuchen  und  eine
Flasche  Wein,  brings  der  Großmutter  hinaus:  weil  sie  krank
und  schwach  ist,  wird  sie  sich  daran  laben;  sei  aber  hübsch  artig
und  wenn  du  in  die  Stube  trittst,  so  sprich  "guten  Morgen."  Geh
auch  ordentlich,  und  lauf  nicht  vom  Weg  ab,  sonst  fällst  du,  und
zerbrichst  das  Glas,  dann  hat  die  kranke  Großmutter  nichts.'
Rothkäppchen  sagte  'ich  will  schon  alles  gut  ausrichten,'  und
gab  der  Mutter  die  Hand  darauf.  Die  Großmutter  aber  wohnte
draußen  im  Wald,  eine  halbe  Stunde  vom  Dorf.  Wie  nun
Rothkäppchen  in  den  Wald  kam,  begegnete  ihm  der  Wolf.  Rothkäppchen ­
  aber  wußte  nicht  was  das  für  ein  böses  Thier  war,  und
fürchtete  sich  nicht  vor  ihm.  'Guten  Tag,  Rothkäppchen,'  sprach
	        
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