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Zeitungsausschnitte über Jacob und Wilhelm Grimm

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Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitungsausschnitte über Jacob und Wilhelm Grimm

Brief

Persistente ID:
1712235217830
Titel:
Brief von Friedrich von Thudichum an Jacob Grimm
Signatur:
Gr. Slg. Autogr. 0653
Inventarnummer:
Acc.Gr. 1983 0717
Absender:
Thudichum, Friedrich von
Empfänger:
Grimm, Jacob
Entstehungsort:
Gießen
Datum:
20.02.1858
Dokumenttyp:
Brief
Erscheinungsjahr:
1858
Größe:
20,5 x 16,5 cm
Umfang:
1 Brief, eigenhändig, 2 Blätter (1 Doppelblatt), mit Unterschrift
Literatur:
KALLIOPE
Anmerkung:
Teil der Grimm-Sammlung der Stadt Kassel 
Sprache:
deutsch
Jahr der Digitalisierung:
2024
Herkunft der digit. Ausgabe:
Kassel
Hersteller der digit. Ausgabe:
Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel
Physikalischer Standort:
Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel

Volltext

690 
o 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z4 
Die Geschwister. 
(3. Fortsetzung.) Roman von Philipp Wrngerhoff. 
Nachdruck verboten. 
Alle Rechte vorbehalten. 
5. 
arf ich Dich einen Augenblick stören- Papa?" mit diesen hastig 
gesprochenen Worten trat Lisbeth, wenige Tage nach dem 
Balle, in ihres Vaters Arbeitszimmer. Er warf einen Blick in 
ihr erblaßtes und heftige Erregung verratendes Antlitz und sprang 
von seinem Stuhle ans. 
„Wie siehst Dti aus! Ist ein Unglück geschehen?" 
„Hoffentlich noch nicht, aber ich möchte eines verhüten." 
„Die Mama!??" 
„Nein, nein, Papa! Ich habe traurige Botschaft von 
Römers." 
„Bon Römers? Und da erschreckst Du mich so!" rief er 
vorwurfsvoll. 
„Es sind meine besten Freunde, Papa. Ihr Leid fühle ich 
wie ein eigenes." 
„Tlt bist in diesem Punkt merkwürdig sentimental," sagte er 
kurz, „ich finde, die Mama hat nicht unrecht, wenn sie sich über 
die Ueberfülle dieser freundschaftlichen Gefühle beschwert. Aber 
erzähle, was hast Tu und lvas willst Du?" 
„Tu weißt es wohl, Papa, daß Gertrud seit Montag ein 
kleines Baby hat. Tartte Römer ist zu ihrer Pflege dort. Nun 
hat diese vorgestern das Unglück gehabt, durch einen Sturz in den 
Keller das Bein zu brechen, und zu gleicher Zeit ffng Gertrud an 
zu fiebern. Die Dienstboten sind noch fremd ant Orte, Gertruds 
Krankheit steigerte sich rasch und Arnold ist durch sein Amt ge 
zwungen, fast immer int Bureau zu sein. Er schreibt mir völlig 
verzweifelt über die augenblickliche Lage—" 
„Und wünscht, daß Tn hinkommst," unterbrach sie der 
Geheimrat. 
„Das spricht er nicht aus, ich soll eine Pflegerin besorgen, j 
darum schreibt er. Aber, Papa, ich bin fest entschlossen, ihnen bei- 
znsteheu und mit dem nächsten Zuge abzureisen, und ich komme, 
Dich um die Erlaubnis und um Deine Vermittelung in dieser 
Angelegenheit bei Mama zu bitten." 
„Aber, Lisbeth, was ist das für eine Leidenschaftlichkeit! Ich 
weiß nicht, ob Mama " 
„Es sind meine besten Freunde, Papa! Tausendmal bin 
ich in diesen langen Jahren ihnen das schuldig geworden, und ich 
werde sie nicht allein lassen, wenn ich ihnen wirklich nützen kann. 
Denke doch nur, wenn Gertrud stürbe, nie in meinem Leben könnte 
ich darüber wieder ruhig werden" die Thränen stürzten dabei 
plötzlich über ihre blassen Wangen — „und Tante Römer, wie ! 
mag sie in dieser hilflosen Lage leiden!" 
Das Mitleid über ihre Ergriffenheit ließ den Geheimrat die 
schon auf seinen Lippeit schwebende Bemerkung über dieses so höchst 
überflüssige „Tantenverhältnis" unterdrücken. 
„Nun, nun," meinte er, „es wird ja so schlimm nicht fein, 
und was ich thun kann, um Mama zu bewegen —" 
„Nein, Papa, gehe noch nicht! Wir müssen uns erst verstän 
digen. Ich reise unter allen Umständen, für mich liegt darin eine 
Pflicht. Ich bin hier leicht ersetzbar, dort nicht. Ich wäre Mama ! 
unendlich dankbar, wenn sie einwilligte, aber -—" 
„Ah," meinte kurz und kühl der Vater, „ich verstehe. Um 
jenen gefällig zu sein, wärest Du imstande, uns den kindlichen I 
Gehorsam aufzusagen." 
„Papa," sie warf sich an seine Brust und umschlang ihn mit 
den Armen, „hast Du je Ursache gehabt, über mich zu klagen? 
Versetze Dich jetzt tu meine Lage, vertritt dieses Mal meine Jnter- 
essen, und ich werde gewiß mein Leben lang Dir nie Grund 
geben, Dich über den Mangel an kindlicher Unterordnung zu be 
schweren." 
„Du bist so aufgeregt," erwiderte jener und wehrte leicht 
ihre Umarmung ab. „Diese Stimmung soll bei mir zu Deiner | 
Entschuldigung sprechen. Wann willst Du fahren?" 
„Der nächste Kurierzug geht um fünf Uhr." 
„So gehe und besorge Dein Gepäck und dann komme zu 
Mama, ich werde indessen die Sache mit ihr vereinbart haben." 
Als Lisbeth nach einer halben Stunde das Wohnzimmer be 
trat, fand sie die Eltern noch bei einander. Sie brachen das sehr 
lebhaft geführte Gespräch ab und der Vater sagte, eine Aus 
sprache zwischen Mutter und Tochter verhindernd, zu ihr: „Mama 
erlaubt Dir die gewünschte Reise nach D., bedanke Dich bei ihr. 
Ich will derweil Schmidt nach einem Wagen schicken." 
Lisbeth näherte sich der Mutter, ergriff ihre Rechte und küßte 
sie, und diese bedeckte ihre Augen mit der anderen Hand und 
sagte klagend: „Fremden Menschen gehst Du beizuftehen und mich 
lässest Du allein, trotzdem Du die täglichen Arbeiten in unserem 
Haushalte kennst." 
„Durch Leos und meine Abreise verkleinert sich die Familie 
fast um die Hälfte, und während seiner Abwesenheit fasten natür 
lich auch alle größeren geselligen Veranstaltungen bei uns fort — 
das wird Dir die Zeit erleichtern, Mama!" 
„Ach ja, Leos Abreise!" unterbrach die Mutter sie, „wir 
wollten heute noch gemeinsam seine Sachen packen." 
„Ich habe cs schon gestern abend gethan. Die Bücher- und 
Wäschekiste ist fertig. So hat er einzig noch seine Kleider in den 
Koffer zu legen, und das macht er allein." 
„Und welche Kosten werden wieder aus dieser Reife entstehen, 
während wir wegen Leos Aufenthalt in Berlin doch wirklich Ur 
sache haben, alle unnützen Ausgaben zu vermeiden." 
„Ich werde dritter Klasse fahren, Mama: es ist ja ein Kurier 
zug, da kann man es ruhig thun." 
Die Frau Geheimrat überlegte sich dieses Anerbieten schnell. 
„Du inußt aber ein Zuschlagbillet bis zur nächsten Station 
lösen, damit Tn hier in die zweite Klasse einsteigst. Es könnte 
jemand, der Dich kennt, am Bahnhöfe sein." 
„Ja, gewiß, wenn Du es wünschest, obwohl das Umsteigen 
nach einer Viertelstunde stets sehr unbequem ist." 
„Darauf kann man keine Rücksicht nehmen. — Wirst Du 
dort erwartet?" 
„Nein, es ist bei dem gegenwärtigen Zustande niemand von 
Hause abkömmlich. Außerdem will ich mich auch nicht anmelden." 
„Das ist auch besser: so weiß es niemand, welche Klasse Du 
benutzt hast. Bei der Rückfahrt aber, wenn man Dich begleitet, 
nimmst Du wieder dieses Zuschlagbillet. Hörst Du, Lisbeth?" 
„Ja, Mama — aber Römers benutzen immer die dritte 
Klasse." 
„Was sich für Römers schickt, schickt sich für die Tochter 
Deines Vaters noch lange nicht, also folge meinen Anordnungen!" 
* 
Lisbeth hatte ihre Reise mit der Hoffnung angetreten, den 
Freunden eine Stütze in der Not zu werden, aber sie ahnte doch 
nicht, in welchem Maße dies der Fall sein würde. Der erste, denr 
sie am Abend ihrer Ankunft begegnete, als sie, der Droschke vor 
sorglich schon am Straßenanfang entstiegen, mit ihrem Handgepäck 
beladen, beim trüben Schein der Laternen nach der Hausnummer 
suchte, war der eben aus dem Hause tretende Arnold. Er drückte 
ihr tiefbewegt die Hände, zu vielen Worten war nicht Zeit, und 
führte sie gleich hinein zu seiner Mutter, die int Gefühl ihrer 
hilflosen Ohnmacht und in der Angst um Gertrud seelisch noch 
stärker litt als durch die Schmerzen des gebrochenen Beines, ob 
gleich auch diese quälend genug waren. 
Auch sie begrüßte Gertruds Kommen wie das eines rettenden 
Engels vom Hinnnel, und es lvar leicht zu sehen, wie Lisbeths 
sofortiges Eingreifen und ihre geschickte zärtliche Fürsorge einen 
Ausdruck von seliger Erlösung auf deut vorher so kummervollen 
Gesicht der alten Frau hervorriefen. Mit Gertrud stand es nicht 
schlechter, doch war es geboten, sie vorsichtig auf Lisbeths Kommen 
vorzubereiten. Während Arnold in ihr Zimmer trat, ging Lisbeth 
in die Küche und fand dort ihre Hilfe womöglich noch notwendiger 
als in den Krankenzimmern. Die Köchin saß schluchzend ant kalten 
Herd, tief unglücklich über den fremden Ort, über die Krankheit 
der Frau und noch vieles andere Schreckliche, namentlich aber 
auch darüber, daß der Herr seit Tagen eigentlich gar nichts 
zu sich nahm vor lauter Sorge und Aufregung.' Darüber war 
ihr der Mut zum Kochen vergangen. Ihren Braten hatte er 
nicht angerührt, die guten Suppen ebensowenig, niemand sagte 
KJ
	        

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