Objekt: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

©  Hessisches  Staatsarchiv  Marburg,  Best.  340  Grimm  Nr.  L77

DAKEN

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aztinas,  schwalbenäuglein.  den  Slaven  heiszt  die  schwalbe  laslovitscha,
russ.  lastotchka,  böhm.  wlastowice  lastowice  lastowka,  poln.  jaskölka,
das  kraut  russ.  lastovitschnaja  trava,  bölim.  lastovvicnjk;  man  brauchte
für  last-  blosz  klast-  zu  vermuten,  um  Übergang  auf  krast  und  kregzde
crusta  zu  finden,  hegt  dem  gr.  yeXidcou  das  lat.  hirundo  (walach.
rendurea)  nahe,  so  scheint  an  hirundo  hirudo  wirklich  auch  kregzde
crusta  und  hruzdö  zu  rühren;  dasz  aber  die  wurzel  von  hruzdö  europäischen ­
  sprachen  auch  sonst  nicht  fremd  war,  kann  noch  eine  andere
analogie  lehren.  Wolfram  nennt  ^ie  schwirrende  harfe  nach  dem  vogel  1
swalwe  Parz  623,  20.  663,  17*  und  Homer  Od.  21,  411  läszt  bogenselme
  wie  schwalbe  schwirren,  harpa  selbst  mag  gleich  der  im  körn
rauschenden  aynij  heiszen,  yeXvg,  dem  mylhus  von  der  schildkrötenschale ­
  ungeachtet,  an  yeXidwv  erinnern,  den  Kellen  ist  nun  cruith,
crwth,  engl,  crowd  rauschende  harfe,  fiedel  oder  leier,  mlat.  bei  Ven.
Forlunatus  chrotta,  ahd.  hrotta,  und  später  rolta,  mhd.  rotte,  alt—
franz.  rote;  dies  hrotlä  tritt  dem  geinulmaszten  hruzdö  nah,  sobald
man  erwägt,  dasz  golh.  uzds  altn.  oddr  entspricht,  hruzdö  also  in  alln.
lirodda  zu  übersetzen  wäre;  die  ahd.  mundart  hätte  eigentlich  brortä
zu  lauten,  hrotta  scheint  aber  ausnahmsweise  zulässig  wie  loltar  für
altn.  loddari.  Nach  allen  diesen  ergebnissen  wäre  ein  golh.  hruzdö,
ahd.  brortä,  hrottä  =  hirundo  ganz  glaublich  und  die  Übereinkunft
des  dakischen  krusta  höchst  bedeutsam.  Dürfte  man  nun  noch  wagen
llerodols  KgriOTCovuioi  heranzuziehen  und  XeXidövioi  zu  deuten?  ein
illyrischer  volkslamm  hiesz  Chelidonier  und  die  anwendung  des  worts  206
auf  leule  (welchen  bezug  man  auch  darin  suche)  wäre  gerechtfertigt.
4)  3,  7.  xevravyiov,  c P(o/ituToi  cpev()i(povyiu/ii  oi  de  u.vQa  fxovX-Ttyudi'g,
  zlüy.oi  xovXßrßid.**  mit  lautverschiebung  wäre  goth.  Jmlbila
oder  jmlbilö  zu  gewarlen,  was  zwar  deutschen  klang  hat,  in  keiner
unsrer  mundarten  aber  aufzuzeigen  ist.  da  es  manche  arten  der  centauria
  gibt,  läszt  sich  das  kraut  nicht  sicher  nachweisen,  die  Engländer
verstehn  unter  ihrem  feverfew  (=  febrifugia)  matricaria  chamomilla,
und  nach  Diosc.  3,  126  hiesz  auch  conyza,  inlybus  febrifuga.  Schrieb
der  samler  nach  römischer  auffassung  xovXßi]Xd  fiir  ■OovXßrjXu,  was
mir  sehr  wahrscheinlich  wird,  so  gelangt  man  zu  golh.  dulbila,  ahd.
tulpila  und  der  wurzel  dilban  =  ags.  delfan,  ahd.  telpan  fodere,  böhm.
dlaubali,  poln.  dlubac  klauben,  und  dulbila,  dulbilö  ist  ein  mit  der
wurzel  auszugrabendes  kraut,  wozu  die  herba  multiradix  stimmt,
die  trad.  fühl,  führen  einen  ort  des  namens  Tulba  an,  bekannt  ist  Tolbiacum.

5)  3,  11.  dlxpaxog.  'Pm/iuToi  Xußpov/u  BeveQig,  oi  de  yupdov/ii
Beveyig,  /Juy.oi  oy.tayij.  die  sogenannte  karde  oder  weberkarde,  an
*  beidemal  ohne  artikel,  als  wärs  eigenname.  auch  Tit.  2946  (Hahn.)
**  ein  seltsamer  zufall,  dasz  in  dem  bekannten  yor&ixov  bei  Constantinus
porphyrog.  gerade  der  ausdruck  rovXßeiU  vorkommt;  es  wäre  schwer  zu  rathen,
wie  der  name  irgend  eines  krauts  in  dies  weihnachtslied,  worauf  ich  im  verfolg
zu  sprechen  kommen  werde,  gehört,  in  unsern  Volksliedern  bilden  blumennamen
manchmal  den  refrain.
	        
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