Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
aufgeben giengen sie uns und groszentheils sich selbst verloren; Loth 
ringen, Elsasz, die Schweiz, Belgien und Holland sind unserm reich, 
wir sagen noch nicht unwiderbringlich entfremdet, viel zäher auf ihre 
muttersprache hielten die Slaven und darum kann uns heute ein über 
mütiger slavismus bedrohen; in unserer innersten art lag je etwas nacli- 
gibiges, der ausländischen silte sich anschmiegendes, sollen wir von 
dem fehler bis zuletzt nicht genesen? 
Der sich zunächst dem forscher in der spräche enthüllende grund- 
satz, dasz zwischen groszen und waltenden Völkern (neben welchen es 
jederzeit unterwürfige und bewältigte gab) auf die dauer allein sie 
scheide, und anders redende nicht erobert werden sollen, scheint end 
lich die weit zu durchdringen, aber auch die innern glieder eines 
volks müssen nach dialect und mundart zusammen treten oder gesondert 
bleiben; in unserm widernatürlich gespaltnen Vaterland kann dies kein 
fernes, nur ein nahes, keinen zwist, sondern ruhe und frieden brin 
gendes ereignis sein, das unsre zeit, wenn irgend eine andere mit leichter 
hand heranzuführen berufen ist. Dann mag was unbefugte theilung der 
fürsten, die ihre leute gleich fahrender habe zu vererben wähnten, zer 
splitterte wieder verwachsen, und aus vier stücken ein neues Thüringen, 
aus zwei hälften ein starkes Hessen erblühen, jeder stamm aber, dessen 
ehre die geschichte uns vorhält, dem groszen Deutschland freudige 
opfer bringen. 
Mein blick sucht in lichte Zukunft einzitdringen, wenn auch noch 
über uns schwer ein wolkenbedeckter himmel steht, und nur am saunt 
der berge die helle vorbricht, vielleicht, bevor einige menschenalter 
vergangen sind, werden sich nur drei europäische Völker in die her- 
schaft theilenRomanen, Germanen, Slaven. Und wie aus der letzten 
feindschaft wischen Schweden und Dänen der schlummernde trieb ihres 
engen verbandes erwacht ist, wird auch unser gegenwärtiger hader 
mit den Scandinaven sich umwandeln zu brüderlichem Bunde zwischen
	        

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