Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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FLÜSSIGE M. N 
wickelte; auch das gr. iT musz ursprünglich dicker gelautet haben, 
bevor es völlig NG wurde. Aber wie die goth. spräche GG aus G 
zeugte, liesz sie auch DD aus D, und, die theorie musz es vorläufig 
glauben, BB aus ß hervorgehn, welche GG DD BB allmälich übergiengen 
in NG ND MP. goth. aggvu ist ahd. enki, goth. siggva ahd. sinku 
singu, also darf fiir goth. manariggvs milis ahd. entweder manarinc 
oder manariuwi (wie für triggvs triuwi) gesucht werden. Der Beispiele 
für DD sind wenige, goth. vaddjus === ahd. want, für iddja machte ich 
ital. andai geltend, dem BB entgeht jeder goth. beleg; die sich ebnende 
weichende meerllut könnte ibba ibbö geheiszen haben, wie ags. ebba 
ebbe, und ahd. rathe ich auf impo impä. das anklingende impi apis, 
examen apum, zeigt uns ein der wurzel apis zugewachsnes M, vgl. 
umpi aus skr. abhi. 
Zusammensetzung kann N in M wandeln, wenn labiales, M in N, 
wenn linguales und gutturales anrühren: lat. imberbis impubes, con- 
cedo contendo; ahd. umpiderpi (Gralf 5, 217. 218) umbiruah (Gralf 
2, 378) impiz pramlium (Graff 3, 231) nhd. ambosz f. ahd; anapöz; 
ahd. spambette (Graff 3, 51) mhd. spanbette. Parz. 790, 21. aus 
gleichem grund wechseln MP und NT in empfangen empfinden entgehn 
entdecken. viel dergleichen gewähren verschrumpfle eigennamen: 
Bamberg für Babenberc, Lampert Gumpert f. Lantperht Gunlperht, 
Limburg f. Lintpurc. 
340 In die abgründe der Wortforschung stürzt es aber dem Ursprung 
solcher M und N nachzuspüren, die zwischen vocalen aufwachsen, 
ohne dasz stumme consonanlen im spiel sind. 
Wie verhält sich N im goth. meina [>eina seina neben mei tui 
sui? ich habe es s. 262 aus dem M in mama gedeutet und die 
abweichung des tava von mama, wie des tebe sehe von mene ange 
zogen, um die unorganische ausdelmung des N auf Jieina seina glaub 
lich zu machen, aber die analogie der deutschen und lat. formen 
ist bedeutsam und gilt auch für die possessiva: das N der franz. mon 
ton son stimmt ganz zum deutschen min din sin, während die it. mio 
tuo suo sich noch ans lat. mens tuus suus schlieszen. Vom N in 
unus ains wienas s. 241. 
Aus sus suis, avg avög, sü süwi werden durch N sl. svinia, 
goth. svein abgeleitet. Zum seltnen ortet axiov gehört das in deut 
scher zunge allgemein verbreitete stains stein, zum lat. apis, it. ape, 
franz. abeille das ahd. pia, welchem pini entsprieszt; die aphaeresis in 
pia scheint bestärkt durch die it. nebenform pecchia und das sl. 
ptschela, poln. pszczola böhm. wöela. welchen goth. namen man 
vermuten darf? bizva? nach dem ags. beo, altn. by und der analogie 
von izvis zu eov, iu. litth. bitte, keins der übrigen Wörter kommt 
dem wollaut des ahd. bei. 
Fragt es sich nach dem slavlschen und deutschen gegensatz in 
bezug auf voranstehn oder naehfolgen der liquida auch bei M und N, 
so erscheint er hier weit seltner als vorhin bei L und R. entweder 
stimmt in beiden sprachen die folge der laute z. b. in gnjezdo nest,
	        

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