Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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312 GOTHEN 
wird: dieser UnvÄn (ahd. Unwän, praeter spem genitus) und Unilt 
müssen zusammen fallen, und wahrscheinlich ist die ags. form richtig 
überliefert. Emerca und Fridla heiszen in den ann. quedlinb. (Pertz 
5, 31) Embrica und Pritla, und nefleri des Ermanaricus. In noch 
einer andern stelle 322, 3. 4 unterscheidet das ags. lied wiederum 
Hredgotan und Geätas neben Sveon (Suionen.) das ßeovulflied aber 
liiszt nirgend Gotan, desto häufiger Geätas, und zwar daneben Dene 
wie Sveon auftreten. diese Geätas werden noch näher durch den 
beisatz Ssegeätas (3696. 3967) und Vedergeätas (2984. 3224. 4753. 
5098) bestimmt, gleichbedeutig mit den letztem aber auch blosz 
Vederas oder Vedere? denn es steht immer nur der gen. pl. Vedera 
(448. 991. 1388. 4666. 4920. 5406. 5569. 5796. 6069. 6307) 
genannt. 
Wie jene Westgothen und Ostgothen von der untern Donau sich 
in Spanien und Italien ergossen, werden wir hier ganz auf die andere 
seite nach dem Norden gewiesen, dabin setzte schon Iornandes cap. 3, 
auszer Gauligotli, Vagoth und andern dunkeln völkernamen auch Ostro- 
gothae neben Raumaricae, unter welchen doch sicher die norwegischen 
Raumar gemeint sind. Raumariki aber grenzt noch heute an schwe 
disches Vermeland, auf welches Gautland folgt, diese Ostrogothae 
können demnach keine andern sein, als bewohner des heutigen Üster- 
gölland, dem wieder ein Vestergötland zur seite steht, die altn. be- 
nennung lautet Eystragautland, Vestragautland; es sind also Gautar, 
schwed. Götar, des Ptolemaeus Tavxoi in Scandia * gemeint, keine 
446 Gotar, oder anders ausgedrückt ags. Geätas, keine Gotan, und dazu 
stimmen die Ssegeätas und Vedergeätas des Bcovulflieds. ags. veder 
bedeutet aer, tempestas, ahd. wetar, altn. vedr, und ich finde auch 
ags. veder, wie engl, weather geschrieben; könnte Vedergeätas aus 
Vestergeätas verderbt sein? denn der Wettersee in Vestgötland, an 
welchen Zeusz denkt, wird heute mit TT, im Vestgötalag Vaetur ge 
schrieben. Endlich jenen Hredgotan bei Vidsid begegnen genau die 
altn. Reidgotar und es wird weder ags. Ilredgeätas, noch altn. Reid- 
gautar angetroflen, mit festhaltung des uralten Unterschieds zwischen 
Getae und Gaudae. unter Reidgotaland versteht man entweder Jüt 
land ** oder das feste land von Dänemark, im gegensalz zu den insein 
(Eygotaland.) 
So merkwürdig spiegelt sich der gothische volksname nach zwei 
fernen seiten hin, in seiner hergebrachten doppelgestalt und in einer 
alten Zusammensetzung, ab. Auszerdem tauchen aber noch einige 
besondere, erwägenswerthe benennungen auf. 
Dasz alle Gothen ihren hehlen den namen Anses (goth. Anseis 
Anzeis) beilegten, wurde schon angeführt, und Iornandes deutet ihn 
ausdrücklich durch halbgölter, die über blosze menschennatur erhaben 
* auch Procop scheidet rörd'oi und ravroi, welche letzteren er zu den 
nordischen Thuliten rechnet. 
** dem Finnen lieiszt der Däne überhaupt Juuti.
	        

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