Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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FRIESEN 
so wäre das ein glänzendes zeugnis für die angenommne bedeutung 
fris oder frise — über, liberalis. doch bestehe ich nicht auf dieser, 
es liegt mir daran ein adj. nachgevviesen zu haben, dessen sinn auch 
ein andrer verwandter gewesen sein und sich jenem fraisan an- 
schlieszen darf. 
671 Caesar nennt die Friesen noch nicht, Plinius aber weisz 4, 15, 
dasz hinter den Bataven und Cannenufaten auch Frisii und Frisiabones 
wohnen; Tacitus, majores und minores Frisios unterscheidend, sagt: 
utraeque nationes usque ad oceanum Rlieno praetexuntur, ambiuntque 
immensos insuper lacus et romanis classibus navigatos. Als Drusus 
die Usipeten und Sigambern bekriegt hatte, fuhr er den Rhein hinab, 
überwältigte die Friesen und gelangte zur see ins land der Chauken, 
wie Dio Cassius 54, 32 meldet; bald aber empörten sich die Friesen 
und behaupteten ihre freiheit, wurden dann von neuem zurückgedrängt 
und traten neben den Bataven unter Civilis gegen die Römer auf. Tac. 
ann. 4, 72—74. 11, 19. 20. 13, 54. hist. 4, 79. Nach Ptolemaeus 
scheinen sie südlich an die Bruklerer, östlich an die Chauken zu gren 
zen, vielleicht auch an die Tubanten (s. 592. 593), deren batavische 
oder friesische abkunft unsicher bleibt. 
Frisiabones mögen jene Frisii minores sein; nach dem Frisaevo 
einer inschrift bei Gruter 532, 7 würde Frisaevones die bildung von 
Ingaevones und Iscaevones haben, also auf einen stammhelden Friso 
zurückleiten. 
Es unterliegt keinem zweifei, dasz vom zweiten bis zum sieben 
ten jh., wo sie den Franken entgegentreten, die Friesen fortwährend 
in ihrer heimat walteten, läszt sich aber, bei dem mangel an nach- 
richten, nicht bestimmen, in welchem Verhältnis sie zu den benach 
barten Bataven, Chamaven, Werinen, Angeln und Sachsen standen, 
oder wie sich die grenzen dieser Völkerschaften im laufe der zeit ver 
rückten. Der geogr. ravennas setzt Dorostate am nördlichen Rhein 
ufer in der Frigonum oder Frixonum patria, und noch südlicher bis in 
den gau Testerbant (s. 593) reichten sie und grenzten an Flandern, 
nordwärts aber wird Fositesland oder Helgoland in confmio Fresonum 
et Danorum* bezeichnet; offenbar führt älteres chaukisches gebiet bald 
auch den namen des friesischen, was sich noch über die älteste und 
672 mittelalterliche geographie Frieslands ermitteln läszt wird uns Ilichtho- 
fen aufklären; dasz es niemals ein Siatutanda gah, sondern Ptolemaeus 
die worte des Tacitus (ann. 4, 73) misverstand hat Hermann Müller 
zuerst gewiesen. 
Nach besiegung der Friesen war Drusus ostwärts, tg ti]v Xuv- 
y.idu gezogen, wo sich seitdem die römische gewalt fühlbar machte. 
Tac. ann. 1, 38 redet von dort hegender römischer besatzung und 
gibt 1, 60. 2, 17 an, das Chauken den Römern verbündet kriegs- 
dienste leisteten; doch später traten sie wieder als feinde der Römer 
* Egilssaga p. 260: Jieir koma til landamaeris par er moetiz Danmörk ok 
Frtsland, ok k\gu j)ä vit land; ohne bezeichnung des orts.
	        

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