Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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BURGUNDEN 
gehört einem andern etwas früheren hurgundischen geschlecht, von 
welchem Gregor, tur. 2, 28 meldet: Gundeuchus (ex genere Athana- 
rici regis Visigothorum) zeugte vier söhne Gundobaldus, Godegisil, 
Chilperieus, Godomarus, von Chilpericus rührten zwei löchter her Mu- 
curuna und Chrolhildis, welche letztere 470 geboren und gemahlin 
des Frankenkönigs Chlodoveus war. Gundehald Gundiochs sohn musz 
hiernach um 450 — 470 gelebt haben*, nicht der 516 gestorbne 
Gundebakl Gundihars sohn sein, zwei burgundische brüdcr Gundiacus 
und Hilpericus nennt Iornandes cap. 48 im j. 456; sie scheinen 
Gregors Gundeuch und Chilpericus, die vater und sohn sind, in diesem 
geschlechte Gundiochs weisz ich keinen Gundahari, allein man wird 
auch auszer dem von Gibica stammenden einen älteren annehinen 
müssen. Olympiodor macht einen Guntiarius Burgundiorum praefectus y 
namhaft, unter llonorius und Jovinus, also im j. 412 (Mascov 1, 374) 'j 
und nach Prosper ad a. 435 fällt Gundicar in Gallien ein, von Attila^ 1 
sagt Paulus Diaconus de geslis episcop. metensium: postquam Gundi- 
706 carium Burgundionum regem sibi occurrentem protriverat (Mascov 1, 
432)|7 mag diese niederlage ins j. 436 oder erst 450 fallen, Gundo- 
balds vater kann dieser Gundicarius nicht gewesen sein, oder wir 
fassen die genealogie in der lex Burg, überhaupt unrichtig auf. 
„ Die burgundische spräche wird uns kaum erschlossen. Ammian 
28, 5 theilt zwei wichtige Wörter mit: apud hos generali nomine rex 
appellatur hendinos .... nam sacerdos apud Burgundios omnium 
maximus appellatur sinistus et est perpeluus, obnoxius discriminibus 
nullis ut reges, hendinos scheint völlig das golh. kindins rjytf.iwv, 
zumal auch Olympiodor den Burgunden keinen könig, bloszen führer 
oder gebieter beilegt. II mag hier für CII = goth. K vernommen 
worden sein, ein Vorläufer der ahd. Verschiebung, wie auch ein Ala 
mannenkönig Ilorlarius für Chortarius steht, von chortar grex, ags. 
corder. kindins scheint dem ahd. chint puer, filius verwandt und 
auch im westgolh. Chindasvinthus Cinlhila (concil. tolet. 13 a. 683) 
vorhanden, nicht anders stimmt sinistus zum goth. sinista nQtoßvxtQo; 
priester, dessen positiv sich mit dem ahd. sin (Graff 6, 25) berührt, 
also jenem perpetuus entspräche. Golhisch ist nun ferner der schwache 
ausgang burgundischer namen, deren das grafenverzeichnis vor der lex 
vier darbietet: Goma = guma, homo; Sonia = sunja verax; Wulfila; 
Fastila. dagegen läszt sich wittemon aus der lex. tit. 66. 68. 86 
nicht einwenden, welches keine schwache Ilexion eines nom. xvittemo 
(wie er freilich dem ahd. widemo, ags. veoluma gliche), sondern nach 
tit. 68 seihst nominaliv scheint und vielleicht für wittemond steht? 
morgengeba 42, 2 begegnet allen deutschen dialecten. vegius 16, 3 
und addit. 8 scheint in der rubrik des additaments viator übersetzt, 
musz also von vcg via rühren und etwa ein golh. vigja sein, qui viam 
parat, index viae, der die spur des geslolnen viehs weist, witlisealci 
heiszen 76, 1 pueri regis, qui judicia exsequuntur, mulctam per pagos 
* er wurde von Olybrius (f 472) zum patricius ernannt.
	        

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