Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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LYGIER 
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der Lygier östliche heimat: dirimit scinditque Sueviam continuum mon- 
tium jugum, ultra quod plurimae gentes agunt, ex quibus latissime 
patet Lygiorum nomen in plures civitates diirusum. valentissimas no- 
minasse sufficiat, Harios, Helveconas, Manimos, Helisios, Nalianarvalos. 
für Lygiorum geben einige hss. Legiorum, Ligiorum (Tagmann p. 42), 
wogegen aber das ansehn der älteren hss. der annalen entscheidet. 
Ptolemaeus nennt sie jtovyioi (denn die lesart ylovxoi ist sicher zu 
verwerfen, vgl. vorhin s. 699), unterscheidet aber nur drei civitates: 
vno xovg Bovyovvxuq ytovyioi ol ’O/uayoi. vcp ovg ylovyiot ol 
zlovvoi. vno AoxißovQylw ogei Koqxovxoi xut ztovyioi ol Bovqoi, 
wonach man ihnen ungefähr das heutige Schlesien und nördliche Böh 
men anzuweisen hätte. Die letzte meldung über sie hat Zosimus 1, 
67 aus der zeit des Probus aufbehalten, dieser kaiser habe (ungefähr 
um 277) gegen die Logionen (yioyloovig), ein germanisches volk, ge 
stritten und ihren anführer Semno nebst seinem sohn gefangen genom 
men , hernach aber wieder herausgegeben. 2t[xvo)v gemahnt noth- 
wendig an die bei Strabo neben den Lygiern genannten Semnonen 
(s. 493.) auf der tab. peuting. bessert man Lupiones in Lugiones, 
in der späteren zeit sind sie ganz verschollen. 
Keinem zweifei unterliegt, dasz ein so bedeutendes, neben lauter 
Germanen auftretendes und in deutsche händel verflochtnes volk ([xtya 
711 (d-vog) rein deutsch war, und Schafarik ist unberechtigt, aus der ähn- 
lichkeit des sl. Wortes lug poln. leg, das auch unsere spräche im 
(goth. lauhs?) ahd. loh, ags. leäh, mhd. 16, die lat. in lucus besitzt, 
zu folgern, der volksname sei sl. Ursprungs und erst durch einnahme 
des altslavischen sumpf oder wiesenlandes auf deutsche Völker überge 
gangen. wahrscheinlich hat Lygius mit diesem wort und begrif nicht 
das geringste gemein, man dürfte allenfalls an die ahd. mannsnamen 
Maganlöh Raginlöh Wolfolöh (Graflf 2, 127) denken, doch nie erscheint 
das einfache Löh als mannsname. die älteste gestalt des namens 
yloviog bei Strabo lehrt mich den westgothischen königsnamen Lira 
(bei Isidor geschr. Liuua) und Livigild (Leuuigildus) zu erwägen (vgl. 
ahd. Liuwiho, Gralf 2, 207), deren bedeutung freilich noch musz da 
hin gestellt bleiben, aus IV entfaltet sich IU und aus VJ und den 
diphthongen UG, G, vgl. goth. valvidai und valugidai Eph. 4, 14, bauan 
bagms u. s. w. wäre die diphthongische form falsch und Lugius, 
Lygius festzuhalten, so könnte auch die Wurzel liugan laug lugum, 
deren bedeutung ursprünglich celare scheint, in betracht kommen, ohne 
dasz ich es wage den sinn des namens zu rathen, vgl. auch liugan 
nubere. 
Dions wichtige stelle bezeugt uns, dasz schon in der zweiten 
hälfte des ersten jh. Lygier und Sueven in Moesien auftreten, welches 
damals noch entschieden von Daken d. i. Geten bewohnt war. es 
mochten nur ausziiglinge sein, die sich vom hauptvolk gesondert hat 
ten , etwa wie des Pytheas Guttonen vorgeschoben waren oder die 
batavischen Chatten. Erblicken wir aber zwischen Oder und Weichsel 
um diese zeit Lygier neben Burgunden, Sueven und Gothen, die hier
	        

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