Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
REDUPLICATION 601 
Es sind aber auszerdera noch drei reihen anzusetzen, welchen 
eigen ist, der reduplication den ablaut Ö zu gesellen. 
VI. flöka faiflök faiflökum flekans. teka taitök taitökum tekans. 
reda rairöj) rairödum rödans. gröta gaigröt gaigrötum gretans. löta 
lailöt lailötum lötans. bedenklich scheint das aus der unsichern les- 
art saisvör Marc. 6, 19 gefolgerte svöran insidiari, und durch keine 
analogie gestützt, denn ags. servian, ahd. sarön würde allenfalls auf 
sarvan saisarv nach I führen, vgl. goth. sarva machinae. 
VII. laia lailö lailöura laians. saia saisö saisöum saians. vaia 
vaivö vaivöum vaians. zu vermuten auch faia ({iff-Kpo/ucu) faifö fai— 
föum faians und maia (meto) maimö maimöum maians. 
VIII. baua baibö baiböum bauans. bnaua baibnö baibnöum 
bnauans, welche beide noch des helegs fürs praet. ermangeln, baua 
baibau nach V ist so wenig annehmbar, als saia saisai gilt; auch schei 
nen VII und VIII gerade vocalisch ausgehende wurzeln zu enthalten, 
deren AI und AU des aufschlusses bedarf und dem in IV und V un 
gleich ist. hauan haihö fehlt bei Ulfilas durchaus, er verdeutscht 
Ö£quv durch bliggvan oder slahan. 
Von den übrigen deutschen sprachen gewährt, wie schon s. 661 
gesagt wurde, die ags. unverkennbare Überreste der reduplication, doch 
nur in vier Wörtern, die ich in Andr. und Elene aufgewiesen habe: 
lace leolc leolcon läcen; hätan hebt höhton bäten; loete leort leorton 
beten; nede reord reordon raeden und ebenso ondraede ondreord on- 
dreordon ondraeden. wer sieht nicht in leolc höht reord zusammen- 
drängungen von laeläc liaehät raeröd = goth. lailaik haihait rairöd? ent 
stellter ist leort, vielleicht nach analogie von reord? aus laelöt leolt, 868 
welche letzte form angemessen schiene; immer sind es noch die wur 
zelhaften anlaute L H R, die mitten im praet. auftauchen, man dürfte 
andre mehr rathen, für feallan ein altes feofell, für heävan lieoho, 
für sävan (serere) seoso, für mävan (metere) meomo, für graetan geort 
=■ geogret, doch die Verengung kann verschiedncn weg eingeschla 
gen haben. 
Im ahd. bietet sich bei Kero (ed. Ilattemer p. 57) dar piheialt, 
das noch nahe hegt an plheihalt = goth. bihaihald; warum sollte die 
ältere spräche nicht auch heiheiz, leiläz, meimeiz = haihait, lailöt mai- 
mait besessen haben? jenes wichtige fifaltara läszt ein ahd. fifalt fei 
falt <= goth. faifaljv vermuten, das keronische heialt ist schätzbar auch 
darum, weil es ahd. EI an der stelle des goth. Al zeigt, und uns des 
echten diphthongs nochmals versichert. 
Weitere spur hat die altn. spräche, sie bildet von röa remigare 
ein praet. reri, von söa serere seri, wo die ags. spräche rövan reov, 
sävan seov bietet, man weisz nicht, wie die Gothen rudern ausdrück 
ten, röan oder raian? das praet. unbedenklich rairö, welches im altn. 
reri übrig ist; seri aber steht für sesi seso = goth. saisö, und selbst 
das lat. sero scheint aus seso entsprungen, folglich reduplicative form. 
Aber nun musz auch altn. gröa virere praet. greri, ags. grövan greov 
ein goth. gröau gaigrö sein, während nüa neri dem goth. bnaua baibnö, 
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