Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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REDUPLICAT10N 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
IIU 
allein snüa sneri dem blosz ablautenden snivan snau gegenüber liegt, 
gnua fricare praet. greri scheint gleichviel mit nüa*. aus snivan snau 
könnte sich reduplicierendes snauan saisnö entfaltet haben?** 
869 Nun fragt es sich vor allem: was ist aus den golh. reduplicie- 
renden Wörtern geworden, seit ihre eigenlhümliche form erlosch? 
Statt des ags. lieht leolc leort reord stellt sich bald hßt lßc let 
rßd ein, statt des ahd. heialt hialt (vielleicht erst hialt, wie fifaltara?) 
und hßlt, und in allen übrigen Wörtern berscht, ohne spur des redu- 
plicierenden consonanls, ein diphthongischer, wie cs scheint, zusam 
mengedrängter vocallaut, ags. EO oder £, ahd. IA IE oder £: ags. 
heold — haihald, veold = vaivald, feng == faifah, sceod — skaiskaid, 
hleop = haihlaup, slßp == saislßp, let = lailöt, grßt = gaigröl; ebenso 
ali'd. hialt wialt fiang sciad bliaf sliaf plias liaz, oder auch: healt wealt, 
oder hßlt wölt fßng. Also scheint der schlusz gestattet: wie löc auf 
leolc lailaik, heit hialt auf heialt heihalt haihald zurückführen, setzt 
auch in allen übrigen die verengte form eine immer weilere und ur 
sprünglich reduplicierende voraus. 
Einigemal bietet Notker, der sonst liez hielt hieng scied u. s. w. 
mit IE schreibt, IU, nemlich liowen hiu hiuwen und loufen liuf liufen ; 
wirkte hier das U des diphlh. AU OU in haihlaup haihlaupum nach? 
oder das 0 im vermuteten haihö hailiöum? Tatian gewährt hio liof 
und von ruofan riof, von wuofan wiof, neben liez hielt, während bei 
Olfried liaz hialt zu liaf riaf wiaf stimmen; wissen möchte ich, ob 
dieser von howan gleichfalls Ina bildete? Noch mhd. dauern solche 
unterschiede: hiu Nib. 2221, 3 hiuwen Nib. 2215, 1 und liuf Nib. 
877, 3 in C, liufen Er. 2447, neben hiew Wh. 392, 16 hiewen und 
870 lief liefen bei den meisten***, und von ruofen finde ich blosz rief 
riefen; kaum noch darf man zu bouwen und nouwen ein starkes hiu 
und niu erwarten. 
Aus gleichem gründe steht den altn. falla fßll, halda heit, hlanda 
blett, ganga geck, hanga heck, sveipa svßp, heita hßt, leika lßk, grata 
grßt, lata Ißt, bläsa bles entgegen hlaup hliop, ausa ios, höggva hio, 
bua bio, und blßs neben ios bestätigt mir den angenommnen unter 
schied zwischen golh. baiblßs und haibö =* altn. bio, haihlaup = altn. 
hliop, ahd. liuf, obschon gaigröt lailöt altn. grßt Ißt lauten, ahd. liaf 
und liuf, mhd. lief und liuf schwanken. 
* die gewohnhcit« dieser praeterita seri sneri gneri reri scheint auch unor 
ganisches freri congelavit für fraus und sleri percussit für slö herbeigeführt zu 
haben, sleri steht fornm. sög. 10, 394 und der pl. slöro 10, 403. 
** Völuspä bietet Strophe 6. 9. 27. 29 in Rasks ausgabe die wiederkehren 
den zeilen: 
l>£t gengengo regin öll ä rökstola 
ginnheilög god ok um pat gettuz, 
was mich gramm. 1, 916 an reduplication denken liesz, obschon eher gegängo 
zu erwarten wäre; wahrscheinlich aber ist gengengo bloszer Schreibfehler (Munchs 
ausg. s. 185) und gengo zu lesen. 
*** hiu liuf könnten schwäbisch scheinen, hie (hiew) lief bairisch; nhd. 
hieb lief.
	        

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