© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 79
Till
Die Elemente der Poesie einer Nation erscheinen
nie reiner und mehr vereinigt als in den Volksliedern,
und diese sind es, welche aus dem Norden den Freundm
der Poesie hier in einer Uebersttzung übergeben werdm.
Es schien auch ihnen das Loos bestimmt, das alle
Volksdichtung zu treffen pflegt: die Verachtung und Ge.
ringfchatzung, welche die spatere entgegengesetzte Kiinstculrur
gern daran ausübt, um sich zu retten; und nur
ein glücklicher Zufall hat sie erhalten, ehe noch so viel
wie bei uns untergegangen war. Gegen das Ende des
sechszehnren Jahrhunderts kam, durch einen Sturm genörhiger,
die Königin Sophia von Dänemark, Mutter
Christian des vierten, zu der Insel Huen, wo Tyge
de Brahe damals lebte und Anders Söfrcnsön
Wevel, der damiche Geschichtschreiber und Uebersetzer
des Saro Grammalicus. Dieser hatte für die dänische
Geschichte die alten Heldenlieder gesammelt, die Königir>
hörte davon reden, und gewann Lust sie kennen zu
lernen. Aus ihren Befehl also, und nach wiederholter
Erinnerung , gab Anders Söfrenfön Wedel fünf Jahre
nachher (1591.) das erste Hundert jener Lieder heraus;
wie er dies alles in der Dedicarion an die Königin er-Hundert
und vier Jahre spater (1695.), wurden
sie mir einem neuen Hundert von Peter Syv
vermehrt und unter dem Titel: Kampe-Viser (Kampferweisen^)
herausgegeben, darnach öfter gedruckt*) und
•)l^64.)Kovenhaaen (739; 1 764 . rr. i 7 « 7 . in 8 . Zu einer
neuen Ausgabe haben siH Nyerup, Abrahamfon und Rahbeck vereinigt,