Volltext: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

©  Hessisches  Staatsarchiv  Marburg,  Best.  340  Grimm  Nr.  L  79

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Das  war  der  junge  Graf  Heinrich,  der  eintrat  in  die  Thür:
Alle  die  darinnen  waren,  die  standen  auf  vor  ihm.
„Heil  Euch!  Ihre  Frauen  und  stolze  Jungfrau»,  beides  Magd
und  höfliche  Weib,
Und  zuerst  und  am  meist  der  Jungfrau  Nosensang,  mag  sie  hier
innen  seyn."
Das  war  der  junge  Graf  Heinrich,  der  herauszog  Briefe  zwei:
„Die  sendet  Euch  Euer  Vater»  nun  rathet  selber  frei."
Mein  Vater  mir  geschrieben  hat,  daß  ich  Euch  sollte  lehren:
Alles  aber  was  ich  kann,  das  lehr  ich  Euch  so  gerne.
So  verging  der  klare  Tag,  die  Nacht  die  kam  so  bald;
Da  fragte  der  junge  Gras  Heinrich:  „wo  soll  ich  liegen  in  der
Nacht?"
Da  sprach  die  Jungfrau  Nosensang,  so  schnell  sie  die  Worte  da  sagt':
Laßt  die  fremde  Jungfrau  schlafen  bei  mir  selber  heute  Nacht.
Da  sprach  die  Jungfrau  Ellensborg,  fürchtet',  ihr  Bruder  den
Tod  müßt  leiden:
Schläft  die  Jungfrau  bei  Euch  heut  Nacht,  könnt  Ihr  nicht
Jungfrau  bleibe».
Sie  holten  die  Wachslichter  herein,  die  waren  mit  Ehre  bereitet.
So  wurden  die  jungen  zwei  in  die  Frauenstube  geleitet.
Das  waren  die  zwei  jungen,  die  lagen  einander  so  nah:
Es  begann  eine  die  andre  zu  fragen,  wen  sie  lieb  am  meisten  hab'."
„Sagt  mir,  Jungfrau  Nosensang,  dieweil  allein  wir  zwei:
Wißt  Ihr  keinen  auf  der  Erbe,  aus  den  Euer  Herz  gerichtet  sey?"
Ich  weiß  keinen  auf  der  Erde,  auf  den  mein  Herze  gericht't,
Außer  den  Graf  Heinrich,  und  den.  mag  ich  gewinnen  nicht.
„Ist  das  der  junge  Gras  Heinrich,  den  Ihr  lieb  im  Herzen  habt:
Fürwahr  ,  meine  Jungfrau  Nosensang,  der,stieget  Euch  so  nah."
	        
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