Volltext: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

Sie  löschte  die  großen  Wach«lichter  auS:
Ihr  sollt  nun  liegen  im  dunkeln  Haus.
Die  Kindlein  weinten  am  Abend  spät.
Die  Mutter  es  unter  der  Erde  hört'.
Das  hörte  die  Frau,  die  unter  der  Erde  lag:
„Mögt  gehn  zu  meinen  Kindlein  fürwahrl"
Die  Frau  ging  hin  vor  Gott  zu  siehn:
„Und  darf  ich  zu  meinen  Kindlein  gehn?"
So  lange  sie  ihn  bitten  thät,
Dis  er  ihr  hinzugehn  gewährt':
„Und  du  sollt  kommen  zurück,  wann  kräht  der  Hahn:
Nicht  länger  darfst  du  '  bleiben  dann.  “
Da  hob  sie  guf  ihre  müden  Bein:
Die  Mauer  zersprang  und  der  Marmelstein.
Als  sie  durchs  Dorf  ging,  zn  der  Stund,
Heulten  in  die  Wolken  so  laut  die  Hund.
Und  als  sie  zu  dem  Burgthor  kam,
Stand  ihre  ältste  Tochter  daran.
„Was  stehst  du  hier,  liebe  Tochter  mein:
Und  wie  gehts  den  kleinen  Geschwistern  dein?"
Ihr  seyd  eine  Frau  beides  schön  und  fein.
Doch  Ihr  seyd  nicht  die  liebe  Mutter  mein.
Meine  Mutter  war  weiß  mit  Wangen  roth,
Doch  du  bist  bleich  und  gleich  dem  Tod.
„Und  wie  sollt'  ich  seyn  weiß  und  roth:
So  lange  hab'  ich  gelegen  todt."
Und  als  sie  kam  in  die  Stube  gegangen.
Da  standen  die  Kindlein  mit  Thränen  auf  den  Wangen.
	        
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