Sie löschte die großen Wach«lichter auS:
Ihr sollt nun liegen im dunkeln Haus.
Die Kindlein weinten am Abend spät.
Die Mutter es unter der Erde hört'.
Das hörte die Frau, die unter der Erde lag:
„Mögt gehn zu meinen Kindlein fürwahrl"
Die Frau ging hin vor Gott zu siehn:
„Und darf ich zu meinen Kindlein gehn?"
So lange sie ihn bitten thät,
Dis er ihr hinzugehn gewährt':
„Und du sollt kommen zurück, wann kräht der Hahn:
Nicht länger darfst du ' bleiben dann. “
Da hob sie guf ihre müden Bein:
Die Mauer zersprang und der Marmelstein.
Als sie durchs Dorf ging, zn der Stund,
Heulten in die Wolken so laut die Hund.
Und als sie zu dem Burgthor kam,
Stand ihre ältste Tochter daran.
„Was stehst du hier, liebe Tochter mein:
Und wie gehts den kleinen Geschwistern dein?"
Ihr seyd eine Frau beides schön und fein.
Doch Ihr seyd nicht die liebe Mutter mein.
Meine Mutter war weiß mit Wangen roth,
Doch du bist bleich und gleich dem Tod.
„Und wie sollt' ich seyn weiß und roth:
So lange hab' ich gelegen todt."
Und als sie kam in die Stube gegangen.
Da standen die Kindlein mit Thränen auf den Wangen.