Volltext: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

essisches  Staatsarchiv  Marburg,  Best.  340  Grimm  Nr.  L  79

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nen,  ist  ihnen  fremd,  und  sie  haben  dafür  einen  künstlichen ­
  Buchstabenrcim  oder  die  Alliteration  (gewöhnlich
ist  sie  dreifach,  so  daß  zwei  rennende  Consonanten  in
der  ersten  Zeile  stehen,  und  der  dritte  bindend  in  der
zweiten).  Zn  diesen  Liedern  aber  herrscht  durchaus  der
Reim,  oft,  wie  überall  wo  er  von  selbst  entstanden,
mangelhaft  und  bloss  Assonanz;  die  Strophen  sind  eigentlich ­
  zweizeilig  mit  einem  Abschnitt  in  der  Mitte,
und  von  der  Alliteration  zeigt  sich  keine  Splir.
Eine  intereßante  Zusammenstellung  wird  möglich  seyn,
wenn  die  noch  ungedruckten  Lieder  der  samundinischen
Edda,  welche  den  Cyklus  des  Nibelungenlieds  berühren,
erst  vollständig  bekannt  sind.  Denn  zu  diesem  gehören
auch  unsere  Heldenlieder,  es  wird  Chriemhildens  Rache ­
  darin  besungen,  die  Blüthe  und  der  Untergang  der
heldenmürhigsten  Zeit;  Dieterich  von  Bern,  auf  dem
der  höchste  Glanz  des  Ritterthums  lag,  sammt  seinen
Gesellen.  Was  wir  bis  seht  von  den  eddaischen  Liedern ­
  kennen,*)  stimmt  dem  Inhalt  nach  mir  der  Wol
jungst  Saga,  dem  ursprünglich  nordischen  Gedicht  über
ein,  im  Gegensatz  zu  unsern  Liedern,  welche  zu  der
deutschen  Sage  mehr  sich  neigen.  Eben  so  hat  die
Darstellung  einen  ganz  andern  und  jenen  Charakter  der
früheren  Scaldengesange:  wir  vermögen  dies  deutlich  in
dem  Lied,  das  Brynhildur,  die  ein  höheres  Wesen,

*>  Durch  die  Güte  des  Herrn  Generals,  Grafen  von  Hammerstein,  der
sich  selbst  für  die  nordische  Literatur  intereßirt,  hoffe  ich  nächstens  in
dem  Besitz  einer  vollständigen  Abschrift  dieser  herrlichen  Rhapsodien  zu
seyn,  und  sie  den  Freunden  dieser  Poesie  mittheilen  zu  können.
	        
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